Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gelandet

Hier kann man sich vorstellen.
rechtspfleger
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Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gelandet

Beitrag von rechtspfleger » 06.05.2013 01:02

Bin mit Ü30 als Volljurist über einen Quereinsteigerparagraph als Rechtspfleger zur Justiz gekommen. Prinzipiell kein schlechter Job, aber inhaltlich eine Unterforderung. Ein Wechsel in den Bereich Richter/Staatsanwalt kommt leider nicht in Betracht, da das für die als Rechtspfleger eingestellten Volljuristen ausgeschlossen wird. Für Bewerbungen auf Führungsstellen (im gehobenen Dienst) wurde mir auch schon zu verstehen gegeben, dass ich mich da noch ein paar Jahre gedulden soll.

Ich bin mir unschlüssig, ob ich den Job auf Dauer machen möchte und an Hinweisen auf Ausschreibungen für A13-Stellen im höheren Dienst bei Kommunen/Landkreisen in Norddeutschland (Raum OS/OL/HB/H) sehr interessiert.

freshair
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von freshair » 06.05.2013 13:08

Hallo,

ich denke, den höheren Dienst im Kommunalbereich kannst du vergessen (dazu gehört mittlerweile ein ausgezeichnetes 2. Staatsexamen - dass du als Ü30-Quereinsteiger-Volljurist wahrscheinlich nicht hast).

In meiner Kommunalbehörde (1000 Beschäftigte) arbeiten mindestens 30 Volljuristen mit EG9 im JobCenter. Die meinen auch alle, dass sei "ihr Sprungbrett" in den höheren Dienst. Die Aussichten für Volljuristen sind heute eben nicht mehr toll...und die Einser-kandidaten machen eben woanders Karriere oder im öD eben als Richter...
Gruß aus Bochum

rechtspfleger
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von rechtspfleger » 07.05.2013 18:58

Danke für die offenen Worte @freshair. Du hast an sich völlig recht. Ich stecke in einer leichten "Sinnkrise" :o , weil ich mit der Erkenntnis konfrontiert wurde, dass es als noch zu früh angesehen wird, sich auf Führungsstellen im gD zu bewerben. Aus meiner Perspektive ist das halt etwas unschön, weil ich zumindest auf dem Papier die Voraussetzungen für A13 hD habe. Dieses "Problem" und meine Sicht dazu ist auch höheren Ortes bekannt, wobei Verständnis bekundet wurde, aber auch der Hinweis kam, dass es eben nicht anders geht.

Ich kann und will eigentlich gar nicht meckern. Im Gegensatz zu den Volljuristen beim JC bin ich von Anfang als Beamter eingestellt worden und inzwischen auch BaL. Die Tätigkeit hat auch den sehr großen Vorteil, dass sie aufgrund einer speziellen gesetzlichen Regelung inhaltlich weisungsfrei ausgeübt wird. Daneben mache ich wirklich :wink: freiwillig auch noch verschiedene zusätzliche Sachen.

Eigentlich ist alles chic, und ich stehe mich auch schon jetzt sicher besser als viele angestellte Rechtsanwälte, aber ich kann halt noch nicht ganz den Gedanken ablegen, dass der Regierungs-/Verwaltungsrat schon nicht schlecht wäre. :D

freshair
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von freshair » 08.05.2013 08:10

Ich denke, du hast es im Großen und Ganzen noch relativ gut getroffen und wer weiß, vielleicht ergibt sich mittelfristig auch noch eine Chance in den hD aufzusteigen.

Ich beurteile das im Vergleich zu den vielen Volljuristen, die ich hier in Bewerbungsgesprächen erlebt habe. Offensichtlich reicht heute ein "nur" befriedigendes 2. Staatsexamen schon aus, dass man sich von seiner ursprünglichen Lebensplanung verabschieden darf, weil die Chance, als Jurist eine adäquate angestellte Position zu finden, dann regelmäßig gegen Null tendiert und die Möglichkeiten, freiberuflich als Jurist seinen Lebensunterhalt sicher zu stellen, auch nicht sehr rosig sind.

Die Lebensläufe gleichen in vielen Fällen dann einer Achterbahn; Vieles wurde versucht und wieder verworfen und die Leute sind sehr glücklich, als Quereinsteiger in den öD als "normale" Verwaltungsangestellte zu kommen (auch wenn die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten dann auch nur sehr begrenzt sind); selbst Umzüge quer durch Deutschland werden in Kauf genommen. Aber man hat eben "seinen Fuß in der Tür" und man kann seine weitere Lebensplanung zumindest eine relativ sichere Basis geben.

Alles Gute für deine berufliche Zukunft und viel Spass im Rechtspflegerwesen...
Gruß aus Bochum

Steinbock
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Steinbock » 09.05.2013 12:35

Hallo Rechtspfleger,

informiere dich doch einmal im www.juraforum.de

Ich könnte mir vorstellen, dass Du dort einige Tipps erhalten könntest.

Gruß vom Steinbock

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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Schaaf2012 » 28.07.2013 09:06

meine Meinung:
es ist absolut nicht gerechtfertigt, Deinen Kollegen, die ebenso im gD sind aber ohne Deine Vorbildung, nur aufgrund Deiner Vorbildung Nachteile (sprich: Du kommst eher auf herausgehobene Positionen als die anderen) zuzumuten. Da wirst Du Dir viele Feinde machen. Eingangsamt ist Eingangsamt, da sind alle gleich. Und ich hoffe, Dein 'Dienstherr sieht das auch so. Anderweitige Versprechungen darfst und kannst Du zu Deinem eigenen Seelenheil vergessen.
Wenn Du Dich nicht positiv damit arrangieren kannst, die Arbeit die Du jetzt machst so auch in Zukunft zu machen, dann bist Du an der falschen Stelle.
Schaaf2012 (A12)

Thust
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Thust » 28.07.2013 15:39

Die inhaltliche Logik deines Beitrages erschließt sich mir nicht, Schaaf2012. Wo zum Beispiel will rechtspfleger (ich nehme an dass sich auf Ihn dein Beitrag bezieht, und nicht auf deinen Vorposter Steinbock) anderen Kollegen im gD Nachteile zumuten?

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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Schaaf2012 » 28.07.2013 15:52

hallo Thust,

danke für deinen Post und dass du mich noch mal zum Lesen vom post von Rechtspfleger animiert hast. Ich habe da etwas unterstellt,was er so gar nicht geschrieben hat.
Es war wohl der Satz
"Für Bewerbungen auf Führungsstellen (im gehobenen Dienst) wurde mir auch schon zu verstehen gegeben, dass ich mich da noch ein paar Jahre gedulden soll".
Daraus geht nicht hervor, dass er sich Vorteile erhofft, aufgrund seiner Vorausbildung schneller als andere voranzukommen. Ich hatte das zunächst anders verstanden.

Also, Rechtspfleger, entschuldige bitte, ich habe das was falsch verstanden.

Ich wünsche Dir, dass du mit Deiner Tätigkeit zufrieden sein wird, auch wenn Du "nur" genauso schnell auf Führungsstellen kommen solltest wie andere.
Gruß
Schaaf2012

c_coast
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von c_coast » 06.08.2013 19:05

Die Bundeswehr sucht sehr viele Juristen! Einfach mal auf der Bundeswehr-Homepage gucken!

Anstaltszauber
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Anstaltszauber » 12.08.2013 17:37

rechtspfleger hat geschrieben:Aus meiner Perspektive ist das halt etwas unschön, weil ich zumindest auf dem Papier die Voraussetzungen für A13 hD habe. Dieses "Problem" und meine Sicht dazu ist auch höheren Ortes bekannt, wobei Verständnis bekundet wurde, aber auch der Hinweis kam, dass es eben nicht anders geht.
Deine Chancen für den hD kann man anhand zweier Fragen leicht abschätzen:

- Ergebnisse der Staatsexamina
- Geschlecht

Gruß aus der Anstalt.

freshair
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von freshair » 13.08.2013 07:26

Anstaltszauber hat geschrieben:
- Geschlecht
:?: :?: :?:
Gruß aus Bochum

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Mikesch
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Mikesch » 13.08.2013 09:45

freshair hat geschrieben:
Anstaltszauber hat geschrieben:
- Geschlecht
:?: :?: :?:
Auch wenn es nicht sein darf, spielt es gefühlt in vielen Bereichen eine Rolle, besonders dann, wenn Geschlecht weiblich und gut aussehend ist ;-)
Ob es aber in diesem Fall hilfreich ist, wage ich aber zu bezweifeln...
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von rechtspfleger » 10.09.2013 01:00

Ich habe hier länger nicht hereingeschaut und bin erstaunt: die Zahl der Zugriffe auf diesen Thread ist ja ganz erstaunlich im Vergleich zu den anderen Vorstellungsthreads.

@Schaaf2012:
Alles gut. :) Wurde ja auch schon von Thust ins rechte Licht gerückt. Wenn ich mich richtig entsinne, hatte ich die Aussage zu den Führungspositionen aus Verärgerung getätigt, nachdem der Präsident mir gesagt hatte, dass das aus seiner Sicht erstmal nichts wird. Es ging in dem Kontext aber eigentlich nur um eine konkrete Stelle. Allgemein formuliert ist Dienstalter bei der Justiz nicht ausschlaggebend für eine Führungsposition, da es auch Kollegen gibt, die das gar nicht machen wollen. :shock:

@c_coast:
Ich danke für den Hinweis auf die Bundeswehr. Mit deutlich Ü30 und nicht ganz so sehr U40 wird man unbeweglich. :wink:

Dem Vernehmen nach soll es demnächst eine Ausschreibung für Regierungsräte in der allgemeinen Verwaltung geben. Ich werde der Dinge harren und schauen, was sich ergibt. 8)

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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Rechtlerin » 22.09.2013 12:18

Hallo,
also wenn ich als Volljurist mit A9 einsteigen muss, dann stimmt meiner Meinung nach schon einiges nicht.

Entweder sind die Noten sowas von mies, dass man in der freien Wirtschaft nicht mal eine Bewerbung abzugeben braucht - oder
ist total verzweifelt...
Vor allen Dingen würde ich dann noch das 2. Staatsexamen draufsetzen und dann was vernünftiges beginnen - aber ich denke
dass das dann auch zu schwierig wird...

Es reicht eben nicht aus, ein Volljurist zu sein - da müssen auch die Noten stimmen. Ein mittel- bis saumäßiger Abschluss reicht
eben oftmals nicht für die Beamtenlaufbahn und schon überhaupt nicht für den Aufstieg...aber manche Juristen haben die
Weisheit ja mit Schaumlöffeln gefressen !

Anstaltszauber
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Re: Quereinsteiger - als Volljurist im gehobenen Dienst gela

Beitrag von Anstaltszauber » 22.09.2013 14:06

Rechtlerin hat geschrieben:Vor allen Dingen würde ich dann noch das 2. Staatsexamen draufsetzen und dann was vernünftiges beginnen - aber ich denke
dass das dann auch zu schwierig wird...

Es reicht eben nicht aus, ein Volljurist zu sein - da müssen auch die Noten stimmen. Ein mittel- bis saumäßiger Abschluss reicht
eben oftmals nicht für die Beamtenlaufbahn und schon überhaupt nicht für den Aufstieg...aber manche Juristen haben die
Weisheit ja mit Schaumlöffeln gefressen !
Ah, Juristen-Bashing par excellence. Zu Deiner Orientierung: Volljurist = 2. Staatsexamen vorhanden.

Mit den Noten hast Du recht. Aufstieg wird m.E. schwierig - was natürlich nie kommuniziert werden wird, weil man die Leute nicht entmutigen will.

Gruß aus der Anstalt.

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