Der Gang in die Dienstunfähigkeit

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Zimmer317
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Der Gang in die Dienstunfähigkeit

Beitrag von Zimmer317 »

Hallo in die Runde,

ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll, was mich eigentlich auch direkt zu meinem Anliegen führt:
Ich suche jemanden für einen persönlichen Austausch, eine Person, die in einer ähnlichen Situation wie ich ist oder war.

Und was ist meine Situation? Ich bin auf Lebenszeit verbeamteter Lehrer und hatte noch nie Ausfälle wegen meiner Psyche und war auch noch nicht wirklich in Behandlung. Ich habe lediglich von einem Psychiater ein leichtes Mittel gegen Ängste bekommen, was mir aber wenig nützt.

Ich weiß, ich halte diesen Job nicht mehr viel länger aus und suche auch, bisher erfolglos, nach einer Therapie. Mich wegen Psyche mal vom Hausarzt einige Wochen krankschreiben zu lassen ist für mich ein schrecklicher Gedanke, weil ich da erstens keinen langfristigen Nutzen sehe und zweitens mir die Rückkehr unangenehm wäre. Nein, wenn ich entscheide, dass es nicht mehr geht, dann will ich ganz raus sein und nicht mehr zurück. Für eine anderweitige Verwendung wäre ich offen, weiß aber, dass das selten ist.
Und bitte nicht falsch verstehen, es ist nicht einfach so, dass ich „keinen Bock“ mehr habe, ich habe Depressionen, Angstzustände, mitunter selbstverletzendes Verhalten und Konzentrationsprobleme, was mich meine Arbeit auch immer schlechter machen lässt. Eine Verdachtsdiagnose auf Autismus habe ich auch, aber eine Diagnostik finden ist auch schwierig und bisher konnte ich mit Masking auch gut durch kommen...aber die Kraft dafür schwindet rapide.

Also!… Ich würde mich über einen Austausch freuen. Es kann, muss aber keine Lehrkraft sein. Auch andere Beamte die die DDU am Horizont sehen oder schon darin sind, sind willkommen.
Gerne auch aus Berlin, ist aber kein Muss.
Ich denke einfach, dass man durch solche Sachen besser gemeinsam kommt und sich gegenseitig gut unterstützen kann!

Ich poste das jetzt mal in 2-3 Threads, bitte nicht belästigt fühlen.

Freue mich auf Rückmeldung :)
Grillmeister
Beiträge: 28
Registriert: 6. Jun 2025, 15:10
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Re: Der Gang in die Dienstunfähigkeit

Beitrag von Grillmeister »

Hallo Zimmer317,

erst einmal wünsche ich dir für die Zukunft alles Gute und eine Genesung. Deine gesundheitlichen Beschwerden hören sich nicht schön an.

Aus eigener Erfahrung (Verwaltungsbeamter auf Lebenszeit, psychische Erkrankung, bereits 2 amtsärztliche Untersuchungen -im Sommer voraussichtlich die Dritte- und aktuell Teildienstfähig) kann ich dir folgendes erzählen:

Mache dich frei von dem Gedanken, dass du selbst entscheidest, dass du von jetzt auf gleich in die DDU gehst. Selbst wenn du dauerhaft krankgeschrieben bist, versucht der Amtsarzt (je nach Diagnosen und Heilungswahrscheinlichkeiten) dich entsprechend der Gesetzeslage irgendwie auf die Beine zu bekommen oder im Dienst zu halten. Das kann bedeuten, dass vorher sinnige Behandlungen durchgeführt werden sollten.

Hört sich erst einmal "nervig" an, doch dient unserem Schutz und dazu, dass wir nicht gleich "abgeschoben" werden und nicht mehr in den Dienst zurück finden.

Bei mir im Bereich Psyche war es ein stationärer Aufenthalt und aktuell eine laufende ambulante Psychotherapie. Den stationären Aufenthalt hat mir meine Psychotherapeutin nahegelegt, auch um die Wartezeit bis zum Therapiebeginn sinnvoll zu nutzen.

Was bei dir geeignet ist, können Ärzte/Therapeuten besser einschätzen - wir sind schließlich alles Einzelfälle :)

Deine Sorge, dass wir denken können du hast einfach "keinen Bock mehr" kommt mir übrigens sehr bekannt vor ;) Ähnliches habe ich auch oft genug gedacht und einfach immer weiter gemacht. Hat nur leider langfristig keine guten Auswirkungen gehabt.

Wenn du überlegst, was deine nächsten Schritte sein könnten, sind hier dazu meine Gedanken:

1) Spreche mit deinem Hausarzt (m/w/div) darüber, wie es dir aktuell und schon länger geht. Ihr könnt dann überlegen, welche Schritte für dich denkbar und medizinisch sinnvoll sind. Ziel ist ja auch nicht nur, dich irgendwie im Dienst zu halten, sondern deine Gesundheit wieder positiv zu bewegen. Dein Privatleben leidet ja sicherlich auch darunter und nicht nur der Beruf. Er kann dich auch beraten, ob es entgegen deiner bisherigen Meinung doch sinnvoll wäre, dich aus dem Dienst zu nehmen und die AU weiter zu verlängern, bis du eine Therapie beginnen konntest.

2) Empfiehlt er dir einen stationären Aufenthalt oder eine Therapie, dann bleibt dir leider nichts weiter übrig, als weiter zu suchen. Das hat bei mir auch lange gedauert (und ich hatte 2 Zusagen, die dann wieder zurückgezogen wurden). Vielleicht bietet sich zum Überbrücken der Wartezeit ja ebenfalls ein stationärer Aufenthalt in einer Fachklinik (Achtung, nicht Reha!) an? Meine Erfahrungen dazu kann ich dir gerne per PN schreiben, wenn Interesse besteht. In einem Erstgespräch zur Feststellung des ambulanten Therapiebedarfs könnte dann auch die ärztliche Verordnung ("Einweisung") vom Psychotherapeuten (oder auch deinem Psychiater) erstellt werden - diese muss bei der Anmeldung in einer Klinik vorgelegt werden.

Achja, Bundesland ist bei mir Niedersachsen.

Ich hoffe, meine Antwort ist nicht zu lang geworden.

LG Grillmeister
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