Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

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lighty
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Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von lighty » 15.07.2013 15:36

Hallo,

kann mir jemand (aus Erfahrung) sagen wie schwer die Zwischenprüfung beim Studiengang zum Diplom Finanzwirt (Finanzamt) ausfällt? Kann man die als normal sterblicher Schaffen oder ist der Schwierigkeitsgrad unverhältnismäßig hoch bzw. braucht man fürs Bestehen unbedingt eine natürliche Begabung fürs Steuerrecht ???

Vielen Dank schon mal....

Syhra
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von Syhra » 15.07.2013 19:12

Hallo,
die Frage lässt sich pauschal natürlich nur schwierig beantworten, da das ganze sehr subjektiv ist.

Ich bin allerdings der Meinung, dass, soweit man im "Unterricht" gut aufgepasst hat und es dann auch verstanden hat, die Zwischenprüfung definitiv machbar ist.

Da zuvor ja schon die ersten Semesterklausuren geschrieben werden, hat man i.d.R. bis dahin auch schon die Klausurentechnik besser drauf. Diese unterscheidet sich ja doch von Klausuren die man auf dem Gymnasium geschrieben hat und aus den Erfahrungen aus meiner eigenen Ausbildung bzw. jetzt von unseren Anwärtern kann ich sagen, dass häufig die schlechteren Noten im Grundstudium 1 an der Klausurentechnik liegen.

Natürlich schadet eine Begabung für Steuerrecht nicht & Glück spielt auch immer eine Rolle. Dennoch kann man es wirklich schaffen als normal Sterblicher.

Ich habe mir damals so viele Gedanken gemacht, gerade zu Beginn des Studiums, aber das war letztendlich wirklich übertrieben.

El Pocho
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von El Pocho » 15.07.2013 20:47

Ich kann Syhra nur zustimmen. Es ist natürlich machbar.

Bei mir im Studiengang lag die Durchfallquote bei ca. 20% im ersten Versuch. Von denen hat es die Hälfte allerdings im zweiten Versuch doch noch geschafft.

Wichtig ist es im Unterricht aufzupassen, die Übungen zu machen und den Unterricht nachzubereiten, denn durch die Wiederholungen wird man schneller (man muss nicht alle Paragraphen immer nachschlagen usw.). Die Zeit ist zumeist der größte Gegner. Zudem sollte man auch darauf achten wirklich alle Gedankengänge aufzuschreiben. Das Ergebnis ist meist uninteressant. Die Punkte gibt es für den Weg.
Außerdem sollte man auch schon die ersten Klausuren ernst nehmen, denn diese zählen nicht unerheblich schon in die Zwischenprüfung mit rein und man kann sich ein kleinen Puffer verschaffen.

Mit ein bisschen Ehrgeiz schafft man es schon. :wink:

In welches Bundesland soll es gehen?

lighty
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von lighty » 15.07.2013 20:50

Hallo El Poncho....

ich mach mir da jetzt schon wahnsinnig viele Gedanken bevor es losgeht... gibt es eigentlich irgendeine bestimmte Literatur mit deren Hilfe man sich da etwas einlesen kann ?? Oder versteht man das einfach am allerbesten im Unterricht...?

Also für mich geht's nach Bayern...nach Herrsching bzw. Kaufbeuren....:-)

El Pocho
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von El Pocho » 15.07.2013 21:34

Ok zu Bayern kann ich mich nicht äußern, da hab ich keine Erfahrungen.

Es gibt sehr viel Literatur zum Steuerrecht, welche aber sehr teuer ist.
Es gibt die orangene Reihe vom Schaeffer Poeschel Verlag (https://www.schaeffer-poeschel.de/Grund ... euerrechts). Diese Bücher sind wohl einfacher geschrieben und nur für die ersten Abschnitte zu empfehlen.
Besser sind da die Bücher aus der blauen Reihe (https://www.schaeffer-poeschel.de/Finanz_und_Steuern). Diese sind für das gesamte Studium geeignet.
Damit es nicht wie Werbung klingt...gibt es auch noch vom NWB Verlag diverse Bücher, die gut sein sollen.

Bevor du jetzt aber losziehst und dir einen ganzen Band kaufst, warte erstmal den Beginn des Studiums ab. Geh in die Bilbiothek und schau mit welchen Büchern du besser klarkommst. Am Besten nimmst du dir ein Thema raus, was gerade behandelt wurde und du nochmal nachliest, so wiederholst du gleich und merkst, welche Bücher für dich verständlicher sind. Ganz wichtigt ist auch, dass du darauf achtest, dass du wirklich die aktuellste Ausgabe kaufst, denn das Steuerrecht ist verdammt schnelllebig.

Ein guter Dozent mit guten Skripten kann allerdings so manches Buch ersetzen. Einlesen ist im Prinzip nicht nötig, da bei Null angefangen wird. Aber wenn du unbedingt willst, dann kannst du sicherlich mal in die Orangene Reihe (Abgabenordnung, Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Bilanz) reinschauen (ausleihen dürfte reichen, falls es möglich ist).

lighty
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von lighty » 15.07.2013 21:43

Super, vielen Dank für deine ausführliche Antwort...also ein Blick in die orangene Reihe werde ich mir sicherlich mal antun :-) Bis zum 1.10. ist ja noch etwas Zeit, die man sinnvoll nutzen kann. Ich glaub ich bin schon total verunsichert durch das viele Lesen in den Internetforen...Die einen sagen das Studium ist fast unschaffbar...und die anderen wollen schon nach den ersten Monaten gleich abbrechen...und die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte...Hab mir fest vorgenommen von Beginn an immer am Ball zu bleiben damit ja keine Wissenslücke entsteht, ansonsten ist man glaube ich wirklich verloren....im Steuerrechtdschungel....

El Pocho
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von El Pocho » 15.07.2013 21:53

Die Einstellung ist schonmal gut.

Unschaffbar ist es mit Sicherheit nicht. Fakt ist aber, dass es schwer ist gute bis sehr gute Noten zu erreichen. Im Steuerrecht ist auch die Note befriedigend gut. :wink:
Dann viel Spaß beim Einlesen.

eppmar
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von eppmar » 08.08.2018 12:04

Hallo lighty, darf ich fragen wie dein Studium zum Dipl. Finanzwirt verlaufen ist? Hast du das Studium bestanden und lief alles gut? Ich habe mich nämlich auch für den Dipl. Finanzwirt beworben und würde mich sehr über einen kleinen Erfahrungsbericht freuen :D

Tris
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von Tris » 22.08.2018 21:51

Hallo Eppmar,
darf man fragen, in welchem Bundesland du dich für den Dipl. Finanzwirt beworben hast?
Fängst du noch dieses Jahr an, oder befindest du dich bereits im Bewerbungsverfahren für 2019?

Sofern du noch Bedarf hast, kann ich gerne von meinen Erfahrungen vom Studium berichten.

Alex112
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von Alex112 » 22.08.2018 23:29

Hallo Tris,

wär nett wenn du mal kurz deine Erfahrungen hier niederschreibst. Es ist ja nie schlecht Erfahrungen von verschiedenen Personen zu bekommen.

Ich beginne übrigens im Oktober mein Studium zum Diplom Finanzwirt in Bayern und mir geht's nicht anders als so vielen anderen hier auch.

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Re: Bericht zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von Tris » 28.08.2018 21:40

Hallo miteinander,

ich habe das Studium vor wenigen Jahren erfolgreich abgeschlossen.

Wie gewünscht versuche ich mal meine Erfahrungen, gepaart mit dem was ich für wichtig halte zusammenzuschreiben.
Beim Schreiben habe ich bereits gemerkt, zu diesem und jenem Punkt könnte ich noch mehr und noch mehr ausführen,
aber ich glaube das es jetzt schon ziemlich lang geworden ist,
höre ich erstmal auf.

0. Ich und meine Intention zu studieren
Vor dem Studium hatte ich bereits an einer Uni etwas ganz anderes studiert,
dann jedoch beschlossen mich umzuorientieren.

Da ich bereits ein erstes Studium hinter mir hatte, verspürte ich einen recht großen Druck,
dass ich das unbedingt schaffen muss, weil ich ansonsten wieder ganz am Anfang dargestanden hätte.

Im Vorhinein habe ich mich aus folgenden Gründen bewusst für dieses Studium entschieden:
- Ich wollte dual studieren, um damit sowohl Theorie als auch Praxis kennenzulernen.
- Mit dem Anwärtergehalt konnte ich mich während des Studiums selbständig finanzieren, ohne Studienkredite oder Unterstützung von dritter Seite.
- Interesse sowohl an Jura, als auch an Wirtschaft, Mathematik und Politik war insoweit vorhanden.
- Mein Ziel war von vorneherein das Erreichen des BaL (Beamter auf Lebenszeit).


1. Die erste Woche am Finanzamt
Die Einführungswoche am Finanzamt geht relativ schnell herum.
Ich würde die Woche sowohl als wahnsinnig spannend als auch als extrem langweilig bezeichnen.
Während es am ersten Tag gilt, alles mögliche zu unterschreiben und tatsächlich zum BaW (Beamter auf Widerruf) ernannt zu werden, bekommt man in der Folge nochmal alles wichtige organisatorische gut verdaulich aufbereitet.
Egal ob es um den geplanten Ablauf der nächsten 3 Jahre ging, oder generell um das Finanzamt und seine Rolle in der Verwaltung, die Einführungswoche bot einige Vorträge, die allen den nötigen Grundstock an Wissen zum gewählten Beruf brachte.
Ebenso war es möglich sich mit anderen Anwärtern auszutauschen, die sich schon in ihrem dritten und damit letzten Ausbildungsjahr befanden.
Alles was man an Nebenleistungen als Anwärter so braucht (Reisekosten, Trennungsgeld) wurde zumindestens kurz angesprochen, und bei Bedarf Merkblätter bzw. Übersichten dazu verteilt.
Immer wenn es keine Vorträge oder Veranstaltungen für alle Neuen gab, verbrachte man seine Zeit in einem Veranlagungsbezirk.
Die Bearbeiter gaben sich zwar die Mühe wirklich alles zu erklären, aber das bringt zu diesem Zeitpunkt nicht so viel.
Ohne steuerliches Wissen, kann man dort die Dinge nur grundlegend erfassen.

2. Grundstudium 1 – Wie ist das Studium so?

a) Allgemeines zum Studium
Danach ist man dann erstmal an der Fachhochschule.
Der erste Studienabschnitt ist zugleich einer der längsten und geht von Oktober bis April (mit kurzer Weihnachtsunterbrechung).
Während die ersten 2 Wochen noch abtasten angesagt ist, beginnt schon sehr schnell danach der steuerliche Fachunterricht.
Alles ist, wie in der Schule für einen durchgeplant.
Freie Entscheidungen, was man wann macht, muss man hier nicht treffen.
Stattdessen wechseln sich von jetzt an Tag für Tag die steuerlichen Fächer ab.
Es handelt sich zu mehr als 90 % um Frontalunterricht.
Der Dozent trägt seinen Stoff vor, es wird gemeinsam im Gesetz gelesen,
oder gemeinsam irgendwas gerechnet.
Gelegentlich gibt es auch Skripten die ausgeteilt und gemeinsam bearbeitet werden.
Das klingt jetzt dröge, und ehrlich gesagt ist es am Anfang auch nicht besonders spannend.
Der Einstieg ist so gewählt, dass tatsächlich keine Vorkenntnisse notwendig sind.
Beispiel: Im Fach Bilanzsteuer wird sich am Anfang Zeit genommen um allen das Thema „Buchen“ zu erklären.
Wer z.B. von einem Wirtschaftsgymnasium kommt, sollte das schon beherrschen.
Jedoch sollte man sich auf einem solchen Wissensvorsprung nicht allzulange ausruhen,
denn sonst verpasst man nur allzu schnell den Anschluss.
Auch wenn der Einstieg leicht gemacht wird, zieht das Tempo schon sehr schnell an.
Themen werden meistens nur einmal besprochen, Zeit ein Thema nochmal zu besprechen ist dann nicht mehr vorgesehen,
weil jede Stunde neue Dinge zu den bereits besprochenen hinzukommen.

b) Unterricht im Klassenverband
Der Unterricht findet fast immer im Klassenverband statt.
Ausnahmen gelten für wenige Fächer bei denen mehrere Klassen gemeinsam in einer Art Vorlesung unterrichtet werden.
Eine Klasse besteht aus ca. 20-24 Studenten.
Die Studenten eines Amts sind dabei meistens in einer Klasse.
Übrigens herrscht während des ganzen Studiums Anwesenheitspflicht, die auch kontrolliert wird.

c) Ein Studientag
Ein normaler Studientag hat meistens 4 Fächer a 2 Doppelstunden und endet so gegen 15 Uhr.
Manchmal ist es ein bisschen mehr und manchmal endet der Tag auch schon gegen 13 Uhr.
Freitags ist jedoch oft schon nach 2 Fächern (also kurz nach 11 Schluss), was besonders den Wochenendheimfahrern entgegen kommt.
Den Rest des Tages hat man dann sozusagen zu seiner freien Gestaltung.
Es ist jedoch äußerst zu empfehlen, den täglichen Stoff für sich selbst oder in Lerngruppen relativ zeitnah nachzubereiten,
da es nahezu unmöglich ist, alles beim ersten mal zu verstehen.
Oft gilt es auch wie in der Schule bestimmte Aufgaben als „Hausaufgaben“ für die nächste Stunde vorzubereiten.
Dies geschieht nicht, um die Studenten zu triezen, sondern wer das Steuerrecht nicht übt, der wird es nie richtig anwenden lernen.
Macht man diese Aufgaben mal nicht, geschieht auch nichts.
Letztlich beraubt man sich selbst seinen Möglichkeiten der Stunde zu folgen.
Aus persönlicher Erfahrung und Überzeugung möchte ich an dieser Stelle sagen:
Oft ist es auch notwendig am Wochenende zu lernen!

Jedes Wochenende nach Hause fahren und feiern und nichts für das Studium machen, funktioniert bei den meisten nicht.
Gerade wenn man einen recht weiten Heimweg hat, bietet es sich eher an nicht jedes Wochenende nach Hause zu fahren,
sondern nur alle 2 Wochen oder noch weniger. Fährt man dann nach Hause, kann man mit gutem Gewissen auch mal feiern.
Fährt man mal nicht nach Hause, bereitet man den vergangenen Stoff auf,
oder löst umfangreichere Aufgaben, damit man wenn man mal fährt weniger zu tun hat.

d) Ist das das richtige für mich?
Spätestens Mitte Dezember fragen sich einige: „Ist das jetzt wirklich das Richtige? Ich hab mir das ganz anders vorgestellt.“
Wenn man bis dahin merkt, dass einem der Stoff so gar nicht liegt, dass man so gar keine Beziehung zu dem Thema Steuerrecht kriegt,
dann ist das ein guter Zeitpunkt abzubrechen.
Für das Studium lernt man in § zu denken. Das ist einfach auch nicht für jeden das richtige.
Geht man bis Ende Dezember, so verzichtet der Freistaat auf eine Rückzahlung der Anwärterbezüge, und man kann sich etwas anderes suchen, was besser zu einem passt.
(Redet trotzdem vorher nochmal mit Mitauszubildenden, Auszubildendenvertretung & co.).
Problematisch ist, die meisten wissen es zu dem Zeitpunkt noch nicht, da das Thema Prüfungen noch vor einem liegt.
Nach meiner Erfahrung bildet sich bei manchen das Verständnis zu Steuerrecht auch erst 2-3 Monate später heraus.

e) Neues Jahr
Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist schulfrei, d.h. ihr habt Zwangsurlaub.
Je nach Lage der Wochentage im neuen Jahr fängt das Studium entweder schon am 02. Januar wieder an,
oder erst nach Heilige Drei Könige.
Im Januar merkt man meistens, dass die Zeit bis zu den Prüfungen plötzlich näher rückt.
Einige Zeit vor den Prüfungen gibt es in allen relevanten Fächern Probeklausuren (meistens die Prüfungen des Vorjahres) deren Besprechung im Unterricht vorgesehen ist.
Die Dozenten geben meistens Tipps, worauf man achten muss/kann/sollte.

3. Die Prüfungen im Grundstudium 1
Das Grundstudium 1 hat die Besonderheit, dass gleich zweimal Prüfungen geschrieben werden.
Im März 7 Klausuren (3-stündig) in allen relevanten Fächern.
Diese Klausuren sind wichtig, jedoch nicht so wichtig wie die anderen Prüfungen die noch kommen.
Direkt im Anschluss an die Klausuren geht der Unterricht nochmal weiter.
Nach kurzer Zeit werden die Klausuren zurückgegeben und besprochen.
Manche sehen es als Test an, jedoch wer vorher nicht klarkam, wird in ca. einem Monat auch nicht mehr die Wende herbeiführen können.
Im April kommen dann die Zwischenprüfungen (5 Stück auch jeweils 3stündig).
Diese entscheiden tatsächlich über eure Zukunft.
Hier erwischt es einige, nicht weil sie die Klausur nicht lösen können, sondern weil sie es nicht schaffen diese in der vorgegebenen Zeit zu lösen.
Fallt ihr hier durch, habt ihr die Chance wenige Monate später nochmal anzutreten.
Fallt ihr hier auch durch, ist das Studium für euch beendet.
Falls euch die genauen Zahlen interessieren, sei der Hinweis gegeben, dass man sich diese selbst aus den Jahresberichten der Hochschule heraussuchen kann.
http://www.fhvr.bayern.de/de/wir-ueber- ... rchiv.html
Es sei noch der Hinweis gegeben:
Einige fallen durch, weil sie durchfallen wollen. Wenn man jetzt erst gemerkt hat, dass das nichts für einen ist, ist das eine „legitime“ Möglichkeit einer Rückzahlung zu entgehen.
Seid ihr einfach zu schlecht für das Studium werdet ihr einfach entlassen, und das wars.
Es sei ehrlich darauf hingewiesen, dass die Prüfungszeit eine sehr starke nervliche Belastung darstellen kann.
Von den meisten wird sie zurecht, als viel anstrengender als z.B. das Abitur beschrieben.

4. Das erste Hauptpraktikum
a) Was passiert im Hauptpraktikum
Im Praktikum habt ihr die Möglichkeit Urlaub zu nehmen, und nach dem Prüfungsstress haben die meisten auch Urlaub nötig.
Ansonsten kommt ihr jetzt endlich mit den richtigen Tätigkeiten eines Finanzbeamten in Berührung.
Ihr werdet einem Veranlagungsbezirk zugeteilt, indem ihr ein paar Wochen verbringt. Nach ein paar Wochen geht es dann weiter zum nächsten Veranlagungsbezirk.
Auf diese Art und Weise lernt ihr die Arbeitsweise verschiedener Bearbeiter kennen.
Dies klappt manchmal besser und manchmal halt nicht so gut. Ich würde sagen, die positiven Erfahrungen überwiegen.
In gewissem Umfang kriegt man eigene Steuerfälle, und kann sich an ihnen probieren.
Dazwischen gibt es sogenannte Ausbildungsarbeitsgemeinschaften (AbAgs):
Hier trifft man nochmal mit anderen Anwärtern auf einen AbAg-Leiter, der einem versucht ein bestimmtes steuerliches Thema aus der Praxis näher zu bringen.
Oft ist hier auch die nicht ganz so einfache Bedienung der Steuersoftware ein Thema.
Während man meinen könnte, dass man nach einem halben Jahr jetzt schon den Durchblick hat, merkt man meiner Meinung nach eher, dass man noch viel zu lernen hat.
Auch wenn man einiges an theoretischem Wissen hat, muss man hier erstmal die Abläufe im Finanzamt verinnerlichen, und lernen wie man der komplexen Software das jeweils gewünscht Ergebnis entlocken kann.
Neben dem Einblick in die Veranlagung, hat man meistens auch noch im Verlauf des Hauptpraktikums die Möglichkeit an einer Außenprüfung (Betriebsprüfung (BP) o.ä.) teilzunehmen
und so auch das Arbeitsumfeld des BPlers kennenzulernen.

b) Mitteilung des Prüfungsergebnisses
Da die Korrektur der Zwischenprüfungen einige Zeit in Anspruch nimmt, bekommt ihr die Ergebnisse derselben irgendwann im Laufe des Hauptpraktikums mitgeteilt.
Entweder seid ihr erleichtert, dass ihr bestanden habt, oder ihr kriegt mitgeteilt, dass ihr zur Wiederholung müsst. (siehe Prüfungen im Grundstudium)
Solltet ihr durchgefallen sein, gilt die Frage woran lag es. Wenn es hier keinen guten Grund gab, ist die Chance, dass ihr bei gleichem Lernverhalten nochmal nicht besteht einfach sehr hoch.
Auch wenn ihr nur knapp bestanden habt, solltet ihr in euch gehen. Die nächsten Prüfungen werden nur noch schwerer.

c) Doch nicht das richtige?
Manche desillusioniert dieser Abschnitt, da man merkt, dass Abwechslung nicht zu den Stärken des Jobs gehört.
Es ist natürlich schade, dass man die ersten praktischen Erfahrungen erst so spät macht, aber da das steuerliche Wissen für die praktischen Erfahrungen notwendig ist,
lässt sich das meines Wissens nach auch nicht vermeiden.
Da ihr verschiedene Stellen des Finanzamtes kennenlernt, vielleicht gibt es doch die eine Stelle die euch besser gefällt als andere.

5. Weitere Studienabschnitte und Praktikumsabschnitte
Nach dem Hauptstudium folgt ein weiterer Studienabschnitt (G2A), der diesmal jedoch wesentlich kürzer ist.
Neue Fächer kommen hinzu. Viel neuer Stoff kommt hinzu, ansonsten ist dieser und der nächste Studienabschnitt (G2B) jedoch irgendwie ähnlich wie die vorangegangenen.
Seit ihr hier angelangt, spielen Noten erstmal eine nicht mehr so wichtige Rolle, da ihr deswegen nicht mehr durchfallen könnt.
Natürlich ist es weiterhin wichtig vernünftige Noten zu haben, im Gegensatz zur Zwischenprüfung werdet ihr jetzt aber nicht mehr bei Nichtbestehen rausgeschmissen.
Das ändert sich erst zum Schluss mit dem Hauptstudium.
Dieses wartet wieder sowohl mit Klausuren, als auch mit der Qualifikationsprüfung auf.
Diese muss ähnlich wie die Zwischenprüfung wieder bestanden werden, und kann nur einmal wiederholt werden.

6. Weitere Praktikumsabschnitte
Nach jedem Studienabschnitt seit ihr wieder am Finanzamt. Schrittweise übernehmt ihr in euren Veranlagungsbezirken mehr und mehr Verantwortung, so dass ihr im letzten Praktikumsabschnitt in der Lage sein werdet, einen Bezirk selbständig zu führen.
Eure gesamte Leistung im Finanzamt wird auch mit einer Note beurteilt und fließt in eure Abschlussnote mit ein.
Im Gegensatz zur Theorie, bei der ihr sowohl bei Zwischen- als auch bei der Qualifikationsprüfung durchfallen könnt,
ist die praktische Benotung von nicht so großem Belang.

7. Unterbringung und Freizeitangebot in der Hochschule

a) Herrsching oder Kaufbeuren oder sogar Kronach?
Die allermeisten Studenten verbringen ihren Studienzeit in der Hauptstelle der Hochschule in Herrsching.
Einige werden jedoch auch das Glück, oder Pech haben, statt nach Herrsching in die Nebenstelle nach Kaufbeuren zu kommen.
Irgendwann in der Zukunft wird dann auch die nächste Nebenstelle der Hochschule in Kronach gebaut sein,
so dass einige künftige Studenten aus dem nordbayerischen Raum, dann dorthin kommen können.
Wart ihr im G1 in xxx so kommt ihr vermutlich auch die nächsten Studienabschnitte dorthin.
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Erkundigt euch einfach in der Einführungswoche bei euren Vorgängern, wo euer Amt in aller Regel hinkommt.

b) Was ist der Unterschied zwischen den Studienorten?
Rein vom Studienablauf gibt es keinen (großen) Unterschied.
Herrsching hat als Hauptstelle direkt in der Hochschule wesentlich mehr Möglichkeiten, wie man seine Freizeit gestalten kann. (Eigene Sporthalle, wöchentliches Kino, Fitnessraum, Sauna …)
Kaufbeuren hingegen hat in der Richtung recht wenig zu bieten.
Vielleicht hat man dann ja noch mehr Zeit zum Lernen.
Während in Herrsching die meisten Zimmer direkt auf dem Campus liegen,
steht das Wohnheim in Kaufbeuren einige Kilometer von der Hochschule entfernt, so dass es sich anbietet mit dem Auto zur Hochschule zu fahren.

c) Unterbringung
Während eurer Zeit an der Hochschule wohnt ihr auch an der Hochschule.
Ihr bekommt für euch kostenfrei ein Zimmer (zumeist an der Hochschule) zugewiesen.
Im Grundstudium werdet ihr euch dieses Zimmer zumeist mit einer weiteren Person teilen müssen. Je nachdem wer euer Zimmerkollege ist, läuft das ganz toll, oder auch nicht so besonders.
Im Hauptstudium hat man meistens den Luxus, dass man sein Zimmer mit niemandem teilen muss. Dies ist im Hinblick auf die anstrengenden Abschlussprüfungen auch besser so.
Ergänzend sei erwähnt: Nicht alle Zimmer befinden sich direkt an der Hochschule.
(In Herrsching gibt es paar extern angemietete Wohnungen. In Kaufbeuren befindet sich der Großteil der Zimmer nicht direkt an der Hochschule.)
Besonders ortsnahe Studenten (z.B. aus dem Ort der Hochschule) verzichten oft auf ein Zimmer.

d) W-Lan
Ja es gibt W-Lan. Sowohl am Campus als auch im externen Wohnheim (Kaufbeuren). In manchen Zimmern lässt es sich besser empfangen, in anderen … sagen wir mal nicht so gut.
Das W-Lan ist öfter durch die große Anzahl an Studenten überlastet und bricht zusammen. Während den Unterrichtszeiten ist es zudem abgeschaltet.

e) Verpflegung
Habt ihr euch entschieden ein kostenloses Zimmer in Anspruch zu nehmen, so seid ihr gezwungen an der Gemeinschaftsverpflegung teilzunehmen, bzw. diese zu bezahlen.
Die Preise sind insoweit recht überschaubar.
Es gibt morgens vor Beginn der ersten Stunde Frühstück, und außerdem Mittagessen. Um das Abendessen müsst ihr euch selber kümmern.
Was die Qualität angeht: Es ist halt eine Großküche, also sollten die Erwartungen nicht zu groß sein. Es gibt sicherlich einige, die sagen und schreiben, dass das Essen ungenießbar ist.
Ein Großteil der Studenten nimmt es jedoch regelmäßig in Anspruch. Probiert es halt einfach selber aus.
Gerüchten zufolge ist das Essen in Kaufbeuren (Kooperation mit der dortigen Personalkantine des Krankenhauses) besser als das in Herrsching.
Seit ihr in Herrsching könnt ihr Abends in die im Campus integrierte Studentenkneipe, in der ihr bei Bedarf auch abends noch dieses oder jenes bekommt.
Oft könnt ihr dort auch wichtige Sportereignisse wie EM/WM oder sonst was verfolgen.

f) Partys
In Herrsching gibt es einige Partys. In Kaufbeuren ein bisschen weniger.
Letztlich liegt das aber an euch. Da ihr sowieso Tür an Tür mit anderen Studenten wohnt, seid ihr dafür verantwortlich wieviel Party es bei euch so gibt.

8. Abschluss

a) Kann man das Studium schaffen?
Einige der häufigsten Fragen die man im Zusammenhang mit dem Studium hört, ist die Frage danach wie schwer es ist.
Ich würde sagen: Ja es ist schwer, aber die meisten die es anfangen können es auch schaffen.
Einige brechen das Studium recht frühzeitig ab.
Ein nicht unbedeutender Teil der Studenten scheidet in den Zwischenprüfungen aus.
(Aus dem Bauchgefühl hätte ich mal gesagt ca. 15-20%, in schlechten Jahren jedoch auch mal mehr.)
Danach hören einige auf eigenen Wunsch noch auf.
An der Qualifikationsprüfung scheitert nochmal ein paar. (Vielleicht nochmal 10%.)

Rein rechnerisch schaffen es daher die meisten.
Nur weil sie es schaffen, heißt es nicht, dass es nicht schwer ist.
Duales Studium bedeutet auch, dass in dem Fall ein riesiger Haufen Wissen,
der in sehr kurzer Zeit an der Hochschule eingetrichtert werden muss, weil ja auch noch Zeit für die Praxis bleiben muss.
Oft hört man von Leuten, die auch an einer normalen Hochschule sich an Steuerrecht versucht haben, dass das Tempo im dualen Studium ziemlich hoch ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Klausuren weitaus schwerer sind, als das nötig wäre.
Wer einen Bekannten hat, der Jura studiert, der hat vielleicht schonmal gehört, dass deren Bewertung ggü. anderen Bereichen ziemlich verschoben ist.
Etwas ähnliches gilt hier auch. Bei den meisten Klausuren gilt. Ein „Sehr gut“ wird so gut wie nicht erreicht. Ganz wenige Cracks erreichen ein „gut“.
Der Großteil tummelt sich irgendwo zwischen „Befriedigend“ und „Ausreichend“.
Die Klausuren sind oft so gestellt, dass nicht erwartet wird, dass sie in der Zeit vollständig gelöst werden.
Meistens kämpft man einfach nur weit genug zu kommen.
Innerhalb der Klausuren geht es darum, möglichst viel passendes Wissen abzurufen und schnell genug niederzuschreiben.
Es geht nicht unbedingt darum die Aufgabe komplett richtig zu lösen, sondern den Sachverhalt korrekt zu fassen und den Lösungsweg in Form von Gesetzen wiederzugeben.
Diese Herangehensweise kommt jemandem der das nicht kennt, erstmal sehr fremd vor, jedoch gewöhnt man sich recht schnell daran.

b) Lohnt sich das Studium?
Hat man das Studium geschafft, wird man dank Übernahmegarantie zu 99% übernommen.
Es lockt eine Stelle vermutlich primär im Außendienst (Betriebsprüfung) oder auch im Innendienst eines Finanzamtes.
Auch ist prinzipiell ein Einsatz bei einer übergeordneten oder anderen Behörde möglich.
Ist man ein wenig IT-affin kann man auch nach dem Studium auch in den Bereich IUK (Landesamt für Steuern) wechseln, und dort z.B. sich zum Softwareentwickler weiterbilden lassen.
So oder so gibt es einige interessante Stellen, die man danach bekleiden kann.
Während das Anwärtergehalt während dem Studium echt top ist, bekommt man nach dem Studium eine A9-Stelle.
Ich finde das finanziell ok, andere weisen darauf hin, dass es in der freien Wirtschaft mehr zu verdienen gibt.
Dies ist grundsätzlich richtig, jedoch wer zum Staat kommt, tut dies meistens mit dem Blick auf den Beamtenstatus und dem Status einen Beamten auf Lebenszeit, und nicht wegen des Geldes.
(Nach dem Studium ist man Beamter auf Probe, nach 2 Jahren wird i.d.R. der Status Beamter auf Lebenszeit erreicht.)
Auch wenn man zur Überzeugung kommt, nicht bis an sein Lebensende beim Staat bleiben zu wollen, hat man hier doch eine der besten steuerlichen Ausbildungen bekommen, die man kriegen kann.


c) Würde ich es rückblickend nochmal machen?
Ganz klar Ja.
Ich habe das verschulte im Studium als für mich positiv wahrgenommen, da mir so die meisten Entscheidungen abgenommen wurden.
Es gab keine Entscheidung mehr: „Mache ich dieses Semester jetzt dieses Modul oder jenes?“ Sondern es war klar vorgegeben, was wann gemacht wird.
Wer mehr persönliche Freiheit wünscht, ist darüber vermutlich etwas enttäuscht.
Auch möchte ich sagen, dass Steuerrecht als Materie einfach nicht jedem liegt.
Man kann das nicht an Abiturnoten oder Intelligenz festmachen, aber für manche ist das halt einfach nicht das Richtige.
Andere könnten das Studium schaffen, können aber mit dem Arbeitsplatz nichts anfangen, auch da kann man nichts besonders viel machen.
Negativ finde ich, dass zwischen der Theorie und Praxis immer noch ein riesiger Unterschied herrscht.
Über den Erfolg im dualen Studium entscheidet zu über 90% die Leistung in den Studienabschnitten, die sagt jedoch sehr wenig darüber aus, ob jemand dem Job wirklich gewachsen ist.
Wahnsinnig positiv habe ich die Dozenten erlebt: Diese sind wirklich sehr bemüht die Fragen der Studenten zu beantworten.
Auch wenn man nach der Stunde nochmal zu ihnen hin geht, weil man was nicht verstanden hat, haben sich diese immer Zeit für mich genommen.
Auch die Dozenten sind Mitglieder der Steuerverwaltung und damit Kollegen,
und diese bemühen sich wirklich die Anwärter nach bestem Wissen auszubilden,
damit diese gute Kollegen werden können.

9. Andere Meinungen
Vielen Dank für das Durchlesen bis hierhin.
Ich denke ihr merkt, dass ich dem Studium sehr positiv über aufgeschlossen bin.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich stolz darauf bin, dass ich es geschafft habe, und meinen Job mag.
Da mein Bericht sehr positiv ist, möchte ich hier euch auch noch auf andere hinweisen, die das teilweise anders schildern,
so dass ihr euch eure eigene Meinung machen könnt.
Hier zwei eher tendenziell negativere Berichte:
https://sebastiano91.wordpress.com/2014 ... oder-nein/
https://m47ch.com/2011/12/ausbildung-di ... gsbericht/

10. Noch Fragen?
Fragt einfach, ich bemühe mich gerne sie zu beantworten.

Alex112
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Registriert: 21.08.2018 19:22
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Re: Frage zum Studium Diplom Finanzwirt

Beitrag von Alex112 » 29.08.2018 00:26

Danke für deinen Bericht Tris. Dieser hat mir persönlich weitergeholfen. Ich freue mich auf das Studium und werde versuchen immer am Ball zu bleiben um zu Bestehen.

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