Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Allgemeine Themen zum Bereich des öffentlichen Dienstes.

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seesand
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Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von seesand » 07.01.2019 15:28

Hallo,

ich bin seit längerer Zeit stiller Mitleser und habe mich jetzt endlich mal registriert. Ich habe folgendes Anliegen:

Ich bin 22 und werde im Laufe diesen Jahres mit dem Studium im geh Dienst fertig. Ich habe ein Übernahmeangebot meiner Ausbildungsbehörde Kreisverwaltung X erhalten, dass ich bei Bestehen der Abschlussprüfung eine A9er Stelle erhalten werde. Der Einsatzbereich steht noch nicht ganz fest, dürfte sich aber im Bereich Soziales oder Finanzen abspielen.

Einerseits bin ich froh über das Angebot, andererseits habe ich mir überlegt, noch ein Jurastudium zu absolvieren. Dass es eine Rückzahlungsverpflichtung geben könnte, ist mir bewusst. Durch meinen Partner und meine Eltern, die mich unterstützen würden, da sie meine aktuelle Ausbildung ja nicht zahlen müssen, bin ich finanziell abgesichert. Darum soll es nicht gehen!!

Ich habe mich schon intensiv mit dem Jurastudium auseinander gesetzt und weiß auch, dass die Durchfallquoten hoch und die Staatsnoten sehr schwer zu erreichen sind. Mein Ansporn ist es also nicht, dadurch "sicher" in den höheren Dienst zu kommen. Falls es klappt, wäre es schon eine Überlegung wert. Mir ist aber bewusst, dass es hier keinen Automatismus gibt. Ziel wäre daher als erstmal nur Bestehen und vielleicht sogar Anwalt für Beamtenrecht zu werden.

Was mich mehr beschäftigt ist die Frage, ob ich, wenn ich jetzt das Stellenangebot nicht wahrnehme, nie wieder in den öffentlichen Dienst bzw. auf eine Beamtenstelle kommen kann.

Hier gehe ich von folgenden Szenarien aus:
- ich falle während des Studiums durch Klausuren
- ich falle durch das 1. oder 2. Staatsexamen
- ich breche das Studium ab

=> Habe ich in diesen Fällen eine Chance, eine Stelle im gehobenen Dienst zu bekommen (örtlich flexibel) oder verschenke ich diese Möglichkeit, wenn ich jetzt das Jurastudium anfange?

Danke, euer Seesand*

PS: Was für mich nicht infrage kommt, ist eine Teilzeit Beschäftigung. Wenn ich studiere, will ich in die Unistadt ziehen und ausschließlich studieren. Mein DH macht das auch gar nicht mit.

Skedee Wedee
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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von Skedee Wedee » 07.01.2019 16:26

seesand hat geschrieben:
07.01.2019 15:28
Hier gehe ich von folgenden Szenarien aus:
- ich falle während des Studiums durch Klausuren
- ich falle durch das 1. oder 2. Staatsexamen
- ich breche das Studium ab

=> Habe ich in diesen Fällen eine Chance, eine Stelle im gehobenen Dienst zu bekommen (örtlich flexibel) oder verschenke ich diese Möglichkeit, wenn ich jetzt das Jurastudium anfange?
Nein, die Chance ist damit nicht verbaut. Du hast eventuell die Rückzahlungsverpflichtung, aber diese ist Dir bekannt. Es kommt halt eben darauf an, wann Du abschließt und wie dann der Arbeitsmarkt ist. Sind die Noten zu schlecht, wird Dich für den höheren Dienst niemand nehmen. Aber Du hast bereits geschrieben, dass Du anwaltlich tätig werden willst.

Fällst Du durch Klausuren des Studiums, ist das kein Drama. Ob das heute auch noch so ist, kann ich nicht sagen, aber wir mussten damals acht Scheine erlangen: 2 Grundlagenscheine oder 1 Grundlagenschein sowie ein Seminar und dann die drei kleinen sowie die drei großen (Straf-, Zivil- und öffentliches Recht) Scheine. Einen kleinen bzw. großen Schein erhielten wir, wenn von den drei Klausuren eine bestanden sowie eine der beiden Hausarbeiten bestanden wurde. Auch ich habe nie immer alle Klausuren gepackt. Das ist auch bei der Fülle nicht möglich. Zunächst einmal ging es "nur" ums Scheine sammeln. Bei den Klausuren gab es bei uns Durchfallquoten von etwa 50%. Zum Examen traten wir damals mit 262 von anfangs 600 Studenten an. Die restlichen gaben auf, brachen ab oder erhielten nicht die notwendigen Scheine.

Fällst Du durch das 2. Examen, hast Du immer noch das 1. Examen und somit einen Pluspunkt gegenüber Mitbewerbern im gehobenen Dienst. Fällst Du durch das 1. Examen oder brichst das Studium ab, hast Du Erfahrung gesammelt. ;)

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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von AlterPinguin » 07.01.2019 16:42

Bei der Fernuni Hagen gibt es die möglich, dass erste Staatsexamen in Jura zu machen. Vielleicht wäre das eine Option. So kannst du normal weiterarbeiten und machst das per Fernstudium. Habe jetzt aber grade keinen Link oder weitere Informationen zur Hand. Ich könnte mir vorstellen, dass die evtl. sogar die ein oder anderen Prüfungsleistungen anrechnen könnten.

seesand
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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von seesand » 07.01.2019 17:29

Danke schon mal für eure hilfereichen Antworten!

Kurze Ergänzung:
Die Fernuni kommt für mich nicht infrage. Über die Möglichkeit bin ich auch informiert :) Ich stehe vor der Entscheidung 100% Studium oder 100% Job, etwas dazwischen macht für mich keinen Sinn (ich kenne mich zu gut - ich brauche eine Aufgabe, in der ich komplett aufgehe, sonst verzettele ich mich).

Also kann man schon sagen, dass man es zumindest mal versuchen sollte? Natürlich mit dem nötigen Ernst.

?

Carrington
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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von Carrington » 07.01.2019 17:37

Man darf auch an der FernUni in Vollzeit studieren. Nicht jeder wohnt in einer Unistadt. ;)

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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von seesand » 07.01.2019 18:45

@Carrington. Korrekt.

Es kommt für mich aber nicht infrage. Ich möchte und kann schon in die Stadt ziehen und dort am Leben / Uni teilhaben :) ich bin auch erst 22, d.h. im normalen Studentenalter und ohne häusliche Verpflichtungen

Es geht mir ja nicht um Alternativen, sondern darum, ob ich mir den Weg in die Verwaltung (geh. Dienst) durch das Uni-Studium zerstöre, insbesondere, wenn es vielleicht nicht so gut läuft. Das ist die einzige Frage ;)

Skedee Wedee
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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von Skedee Wedee » 08.01.2019 09:45

seesand hat geschrieben:
07.01.2019 18:45
@Carrington. Korrekt.

Es kommt für mich aber nicht infrage. Ich möchte und kann schon in die Stadt ziehen und dort am Leben / Uni teilhaben :) ich bin auch erst 22, d.h. im normalen Studentenalter und ohne häusliche Verpflichtungen

Es geht mir ja nicht um Alternativen, sondern darum, ob ich mir den Weg in die Verwaltung (geh. Dienst) durch das Uni-Studium zerstöre, insbesondere, wenn es vielleicht nicht so gut läuft. Das ist die einzige Frage ;)
Wie gesagt, grundsätzlich verbaust Du Dir mit einem fehlgeschlagenen Jura-Studium nicht den Weg zurück in die öffentliche Verwaltung. Es kommt immer auf das Gesamtbild an.

Beachte aber: wenn Du das Studium an der Verwaltungshochschule unterdurchschnittlich abschneiden solltest, dann auch noch das Jura-Studium versemmelst, werden Dich Personaler bei einer Bewerbung mit Argus-Augen betrachten bzw. möglicherweise aussortieren. Aktuell werden Studienabgänger für den gehobenen Dienst gesucht wie verrückt und es werden Kandidaten verbeamtet, bei denen es früher undenkbar war. In einigen Jahren kann es unter Umständen anders aussehen und Du erhältst möglicherweise keine Beamtenstelle, sondern ausschließlich einen Arbeitsvertrag. Ich glaube dies zwar nicht, sollte aber im Hinterkopf präsent sein.

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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von seesand » 08.01.2019 11:52

Danke. Das macht schon einmal Mut!

Zu dem Zeitpunkt, wo ich mich einschreiben kann, dürfte ich meine Abschlussnote bereits wissen. Meine Vornoten und Stationsbeurteilungen sind OK. Um die Note 2, im Vergleich zu den anderen gehöre ich zum oberen Viertel bislang. Ich rechne mit 2,0-2,5 auf dem Abschlusszeugnis.

Mein Abi war ne 2,1. In den "wichtigen" Fächern sogar etwas besser.

Vielleicht kann ich es einfach riskieren. Natürlich will ich einen Abschluss und erfolgreicher Jurist werden, aber man hört leider sehr viel Negatives und das Examen scheint ein richtiger Brocken zu sein. Und eine Beamtenstelle ist ja schon etwas, was man nicht leichtfertig in den Wind schießt.

Motivation wäre grundsätzlich: mehr Lernen, Rechtsfächer mal "richtig" machen, andere Berufsfelder erschließen, ggfs. bessere Verdienstmöglichkeiten, richtiges Uni-Leben haben, Charakterbildung.

Dagegen steht halt potentiell drohende Arbeitslosigkeit. Finanziell bin ich gottseidank so weit abgesichert bzw. genügsam, dass ich auch nach ein paar Jahren erst mit A9 anfangen könnte. Bislang hab ich meine Bezüge auch nicht für Luxus verprasst, hab mich also nicht ans Geld gewöhnt. Arbeitslos sollte und will ich aber unter keinen Umständen werden!!



Denkst du, dass durch die Pensionierungswelle der Arbeitsmarkt gleichsam gut bleibt für das 3. Einstiegsamt??

seesand
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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von seesand » 08.01.2019 11:58

Skedee Wedee hat geschrieben:
08.01.2019 09:45

Beachte aber: wenn Du das Studium an der Verwaltungshochschule unterdurchschnittlich abschneiden solltest, dann auch noch das Jura-Studium versemmelst,

Wenn ich unerwartet unterdurchschnittlich abschließe, werde ich das Jurastudium nicht beginnen. Alleine aus dem Grund "wenn ich das schon nicht schaffe..."

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Re: Jurastudium nach Laufbahnprüfung für geh.D. - riskant oder sinnvoll??

Beitrag von Skedee Wedee » 08.01.2019 13:36

seesand hat geschrieben:
08.01.2019 11:52
Denkst du, dass durch die Pensionierungswelle der Arbeitsmarkt gleichsam gut bleibt für das 3. Einstiegsamt??
Meine Meinung ist, dass der Arbeitsmarkt im öffentlichen Dienst auch die nächsten Jahre noch sehr gut bleiben wird, wenn er sich aus Sicht der Beamten/Tarifbeschäftigen sogar nicht noch verbessert. Wenn ich mir meine Dienststelle ansehe und ich habe guten Einblick in mehrere Dienststellen, wird die große Pensionierungswelle noch auf uns zukommen. Da machen die paar Jahre meines Erachtens nichts aus.

Mit einem mindestens durchschnittlichen Abschlusszeugnis an der Verwaltungshochschule wird man heute und in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht arbeitslos - wenn man sich nicht gerade blöd anstellt. Möglicherweise klappt es anfangs dann nicht mit dem Traumjob in einer bestimmten Behörde, aber der öffentliche Dienst ist breit gefächert und gerade bei den unteren Verwaltungsbehörden oder den Mittelbehörden werden relativ viele Fachleute gesucht. Und nach einigen Jahren klappt es dann auch mit dem Traumjob.

seesand hat geschrieben:
08.01.2019 11:52
Rechtsfächer mal "richtig" machen
Du wirst Dich noch umsehen... ;) Aber das kommt alles zu seiner Zeit. 8-)

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