Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Themen speziell für Landes- und Kommunalbeamte

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landessklave
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Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von landessklave » 16.09.2018 07:50

Ich sitze seit Jahren auf einer Stelle auf der ich wegen der mengenmäßigen Arbeitsbelastung permanent überfordert bin. Habe schon drei Klinikaufenthalte wegen Burn Out hinter mir. Alle drei Kliniken haben die Umsetzung auf eine andere Stelle dringend empfohlen. Ich bin schwerbehindert und hätte eigentlich Anspruch auf einen leidensgerechten Arbeitsplatz. Jedoch will mich die Amtsleitung nicht umsetzen. Der Personalrat stellt sich zudem hinter die Dienststellenleitung. Ich bin kräftemässig wieder so erschöpft dass ich denke es kommt bald wieder zu einem Burnout. Was kann ich tuen um die Dienstunfähigkeit und Frühpensionierung noch aufzuhalten?

dibedupp
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von dibedupp » 16.09.2018 08:52

Was sagt den die Schwerbehindertenvertretung?

landessklave
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von landessklave » 16.09.2018 09:02

Die ist Teil des Personalrates und bezeichnet mich als Minderleister.

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Ruheständler
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von Ruheständler » 16.09.2018 12:07

landessklave hat geschrieben:
16.09.2018 09:02
Die ist Teil des Personalrates und bezeichnet mich als Minderleister.
...das kommt leider sehr oft vor,das Mitglieder im Personalrat auch die Funktion des Schwerbindertevertreters inne haben,da kann man leicht in Interessenskonflikte kommen.
Was die Titulierung eines ,,Minderleisters,, betrifft,das geht schon hart an die Grenze des erlaubten,es können ja nicht alle ,,Überleister,, oder ,,Leistungsträger,, sein,das gibt es nirgendwo.Hängt denn der Burn Out mit der Schwerbehinderung zusammen ?
Gruß vom Ruheständler
meine Eltern sagten damals immer wieder:Junge mach aus Deinem Leben was anständiges, Ergebniss : Feinmechaniker, Soldat,Arbeiter,Angestellter,Beamter,Pensionär,was soll ich noch vollbringen ?...

Fritzzz
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von Fritzzz » 16.09.2018 12:16

Auf jeden Fall Kontakt zu einem anderen Personalrat aufnehmen, z.B. dem Bezirkspersonalrat. Oder auch dem Hauptpersonalrat. Beim ersten Gespräch bitte nicht über den Personalrat vor Ort "herziehen", sondern nur ganz sachlich schildern, warum man anderswo Hilfe holt. Das schreibe ich nur zur Sicherheit. Dasselbe kann man auch mit dem Schwerbehindertenbeauftragten tun, also die nächst höhere Ebene ansprechen und am besten vorher notieren, was man sagen will.
Hilfreich wäre z.B., wenn man sich die Fakten und Kommentare aufschreibt. Noch besser ist es, wenn man immer ein kleines Büchlein dabei hat und alles einträgt. Dann ergibt sich eine Faktensammlung, die schon mal eine sehr gute Grundlage für das weitere Vorgehen bildet. Man vergisst ja doch vieles, vor allem (kleine) Schweinereien.

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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 16.09.2018 14:31

Gibt es keine Stufenvertretung wie zum Beispiel die Bezirksschwerbehindertenvertretung und Hauptschwerbehindertenvertretung, würde ich, auch wenn der Weg über die Stufenvertretung des Personalrats und die des Arbeitgebers (auch der Dienststellenleiter hat einen übergeordneten Chef, auch wenn es ein Minister ist) würde ich das zuständige Integrationsamt einschalten. Es gibt auch noch die Beauftragte der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Schwerbehinderung und Petitionsausschüsse. Spätestens, wenn dieser Fall kein interne Angelegenheit ist, wird sich die Verwaltung bewegen müssen.

herr b
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von herr b » 18.09.2018 16:51

Ich finde das schon echt krass. Ich würde mich direkt krank schreiben lassen, Gesundheit geht vor. Und ich würde parallel dazu einen Anwalt einschalten.
Und auch den Amtsarzt mit ins Boot nehmen!

gruss der herr b
Ich bin befördert worden...
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von sdh1807 » 19.09.2018 08:25

Tatsächlich kann es natürlich sein, dass man ein Minderleister ist und trotz aller Mühen nicht die "Schlagzahl" der anderen schafft. Das daraus wegen der ständigen Mühe BurnOut entstehen kann mag ich wohl glauben.
Als Leitung sollte man dann schon von sich aus versuchen einen Arbeitsplatz zu finden, der besser geeignet ist. Diesen muss es jedoch auch geben.
Die Schwerbehinderung allein ist aber kein Anspruch weniger zu leisten als andere. Nur wenn die Schwerbehinderung der Grund für die Minderleistung ist, darf das nicht negativ bewertet werden.

Überspitzt ausgedrückt:
Sehbehinderung - man braucht länger zum lesen der Vorgänge - darf nicht negativ sein
Gehbehinderung - in der Regel kein Grund für Minderleistung

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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von freshair » 19.09.2018 08:54

Hallo,

ich finde es grundsätzlich schwierig, zu Themen dieser Art hilfreiche Aussagen zu machen, da man hierzu nicht nur die Schilderung einer betroffenen Seite benötigt.

Der geschilderte Umstand, dass offensichtlich alle Protagonisten (Amtsleitung, Personalrat und Schwerbehindertenvertreter) das Gleiche schlechte Bild von dem Betroffenen haben, kann auch bedeuten, dass der Betroffene in seinem eigenem Selbstbild irrt.

Als Personalrat kenne ich so gelagerte Fälle aus der täglichen Praxis. Dazu gehört auch der inflationäre Umgang mit den Bezeichnungen "Bossing und Mobbing". Nicht jedes Personalgespräch bedeutet zugleich auch Bossing. Und Personalrat als auch Schwerbehindertenvertretung lassen sich nur ungern vor einen Wagen spannen, der in eine sachlich nicht nachvollziehbare Richtung zieht.

Allein schon die Wahl des Nicknames "landessklave" lässt einige Interpretationen zu...
Gruß aus Bochum

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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von AndyO » 19.09.2018 10:18

sdh1807 hat geschrieben:
19.09.2018 08:25
Tatsächlich kann es natürlich sein, dass man ein Minderleister ist und trotz aller Mühen nicht die "Schlagzahl" der anderen schafft. Das daraus wegen der ständigen Mühe BurnOut entstehen kann mag ich wohl glauben.
Als Leitung sollte man dann schon von sich aus versuchen einen Arbeitsplatz zu finden, der besser geeignet ist. Diesen muss es jedoch auch geben.
Die Schwerbehinderung allein ist aber kein Anspruch weniger zu leisten als andere. Nur wenn die Schwerbehinderung der Grund für die Minderleistung ist, darf das nicht negativ bewertet werden.

Überspitzt ausgedrückt:
Sehbehinderung - man braucht länger zum lesen der Vorgänge - darf nicht negativ sein
Gehbehinderung - in der Regel kein Grund für Minderleistung
Tja, bei den psychischen Beeinträchtigungen funktioniert die Zuordnung so nicht. Diese sind oftmals nicht LTI (linear time invariant). Das Ganze in einem Umfeld, wo uns unsere lieben Gewerkschaften vor gut 25 Jahren bzgl. der Abschaffung von Bemessungen geschädigt haben. Die Aussage Minderleister ist daher nämlich erst mal subjektiv. Nehmen wir mal meine Brötchengeber, der Schwerbehinderte genau an ihrer Achillesferse Aufgaben überträgt, um deren Ausstieg über DDU zu erleichtern. Für die BUV ist das gut, weil dann schön belegt ist, warum man dienstunfähig ist. Mit Fürsorgepflicht hat das aber wenig zu tun...

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Bananen-Willi
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von Bananen-Willi » 19.09.2018 22:47

Kann mich freshairs Ausführungen nur vollumfänglich anschließen, seine Beschreibung deckt sich exakt mit meinen eigenen Erfahrungen als Personalrat. Man steckt da immer im Dilemma "Glaube ich dem Beschwerdeführer alles, weil ich ja "sein" Vertreter bin" oder bleibe ich objektiv und entscheide nach den Fakten, ob eine Vertretung angemessen ist.

Anhand der 5 Zeilen Sachverhalt könnte ich jedenfalls keine Entscheidung treffen, allerdings hat das Wort "Minderleister" für mich einen sehr negativen Beiklang und hat in einer sachlichen Diskussion nichts verloren, zu schnell ist die Grenze zur Beleidigung hier überschritten. Minderleister sind per Definition Menschen, die eine unterdurchschnittliche Leistung zu vergleichbaren Arbeitnehmern oder Dienstleistern erbringen. Man dürfte den TE also in seiner Leistung nicht mit einem Gesunden vergleichen, sondern mit andern AN/DL, die dieselben Einschrönkungen haben. Und hier liegt die Krux, weil selbst in großen Behörden im Schwerbehindertenbereich selten identische Behinderungen vorliegen, die eine Vergleichbarkeit ermöglichen würden.

@ AndyO: ich will es nicht völlig ausschließen, dass es sowas geben kann, aber meiner Erfahrung nach kann man den Umgang der PNUs oder anderer Privatbeamtenhalter wie Bahn etc. nicht mit dem der Bundes- , Landes- oder Kommunalverwaltungen vergleichen. Allein schon deswegen, weil im Fall der DDU der Dienstherr weiterbezahlen muss, während die Privaten ihre Beamten schön wieder an den Staat abgeben können und deutlich weniger an den Versorgungskosten beteiligt sind, weswegen sich das Verbringen in DDU wirtschaftlich dann eher lukrativ gestaltet.

AndyO
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Re: Bossing durch Amtsleitung und Personalrat

Beitrag von AndyO » 20.09.2018 08:24

Bananen-Willi hat geschrieben:
19.09.2018 22:47
Man dürfte den TE also in seiner Leistung nicht mit einem Gesunden vergleichen, sondern mit andern AN/DL, die dieselben Einschränkungen haben. Und hier liegt die Krux, weil selbst in großen Behörden im Schwerbehindertenbereich selten identische Behinderungen vorliegen, die eine Vergleichbarkeit ermöglichen würden.
Tatsächlich wird der TE mit einer nebulösen Größe verglichen, die nicht auf Bemessung beruht und sich ansonsten im Vergleich hinter persönlicher Leistungskontrolle verbirgt. Also ein willkürliche subjektive Abschätzung, die hier über das Schicksal des Beschäftigten entscheidet.

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