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Re: 10 % mehr !!!

Verfasst: 4. Mär 2014, 11:55
von Conny
Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Wer Bundestagsabgeordnete als Führungskraft von uns "Kollegen" bezeichnet, der muss erst noch lernen, wer überhaupt in unserem Staat Führungskraft ist. Ein MdB ist keine Führungskraft, da er keinerlei Weisungsbefugnis den Kollegen gegenüber hat, ausgenommen Minister und PSt.

Abgeordnete sind alles andere als unabhängig, da 50% von ihnen auf Gedeih und Verderb von ihrer Partei abhängig sind, denn ohne Partei kein Listenplatz.
Ach herrje, jetzt bekomme ich noch ne Belehrung in Beamtenrecht. Ist ja nett. :lol:
Ich hab das gesellschaftspolitisch betrachtet. Als gewähltes Mitglied des höchsten Verfassungsorgans ist man ja schon so etwas wie eine Führungskraft, oder findest Du nicht?
Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Für wirklich erfolgreiche Menschen ist die Politik doch total uninteressant, da eben deutlich mehr Geld in der Wirtschaft zu verdienen ist. Das ändern auch 10% mehr nicht. Der Job ist umso interessanter für Menschen, die nie aus eigener Kraft entsprechende Einkommensregionen erreichen würden. Die Ochsentour durch die Partei, die man machen muss, um Mandatsträger zu werden, kann man nicht machen, wenn man aus beruflichen Gründen alle Jahre seinen Wohnsitz wechseln muss. Deshalb sind so viele Menschen, die beruflich, ich sag mal statisch, sein können: Beamte, Angestellte, Freiberufler, Selbstständige usw.
Aha: Die Schlauen sind demnach in der Wirtschaft und die Doofen im Bundestag. Daher klappt das wohl auch mit der Privatisierung im Öffentlichen Bereich so toll. :D
Das ist ja die Denke von vorgestern. Früher hat man auch gesagt, dass nur die schlechtesten Juristen in den öffentlichen Dienst gehen. Das ist ja längst überholt und widerlegbar.
Der überwiegende Anteil der Abgeordneten sind übrigens Partei-, Gewerkschafts-, Verbandssekretär(e/innen) und -funktionär(e).
Wäre ja auch seltsam, wenn das anders wär. Ich frag mich gerade, wen Du da gerne sitzen hättest. Der mittlere Dienst ist übrigens völlig unterrepräsentiert, wenn ich das richtig sehe - nur 0,2%.

Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Und 40 Stunden? Wer arbeitet denn so wenig?
z.B. Ich
Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Der Bundestag soll endlich die Entwicklung der Diäten an die der Bundesbeamten binden. Das wäre eine äußerst wirksame Eigenkontrolle... Aber nö, ist nicht.
Ähm, er hat sie an die Bundesrichter gebunden, die auch nach dem Bundesbesoldungsgesetz besoldet werden.
Deinen Einwand verstehe ich daher nicht wirklich.
Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Und wenn wir schon dabei sind: MdB haben in der Krankenversicherung ein Wahlrecht: Entweder 50% PKV + Beihilfe oder Mitgliedschaft in der GKV mit 50% Beitragszahlung durch die Bundestagsverwaltung...
Du solltest Dich auf irgendeine Liste eintragen lassen. Ein Kollege von mir ist dadurch von A12 auf B3 aufgestiegen.

Re: 10 % mehr !!!

Verfasst: 4. Mär 2014, 18:07
von Bundesfreiwild
Vor allem nerven mich die Nebentätigkeiten von Politikern. Damit meine ich ausdrücklich nicht die eigenen Geschäfte, die der eine oder andere beruflich-selbstständig ausführt. Obwohl - jeder Beamte muss nachweisen, dass durch seine Nebentätigkeit das "Mandat" als Beamter nicht leidet.

Was ich für völlig abwegig und vor allem korruptionsverdächtig halte, sind die vielen Nebenjobs von Politikern als Vorstände und Aufsichtsräte in Unternehmen, die ihnen nicht gehören. Hier gehen zwei Aufgaben völlig konträr in einer Person auf: Der Konzernmanager, der auf absoluten Unternehmensgewinn - mit allen Mitteln - aus ist und der Politker, der den Eid geschworen hat, dem Staatswesen und dem Volk zu dienen und Schaden von ihm abzuwenden.

Diesen Spagat zwischen dem, was dem Volk, dem Bürger und der Bundesrepublik dient und dem, was der Unternehmenskasse von Banken, Rüstungs-/Autounternehmen, den 30 DAX-Konzern und vielen sogenannten mittelständischen Unternehmen dient, müsste eigentlich jeden normalen Menschen gewissenstechnisch zerreissen.
Politiker haben damit flächendeckend wohl kein Problem, wobei man ja weiss, dass die Lobbyisten der Unternehmen mittlerweile die Berater von Angie M. sind und die politischen Entscheidungen mit ihren, natüüüürlich absolut uneingennützigen, Beratungsarbeit deutlich zu ihren Gunsten lenken.

Kurz: Wer ein Mandat hat, müsste meiner Meinung nach solange auch eine Sperre für Nebentätigkeiten in wirtschaftlichen Lenkungsgremien haben. Und eine angemessene Zeitsperre für solche Tätigkeiten nach Mandatsende.

Dafür sollten die Leute auch richtig gut bezahlt werden, ähnlich einem Managergehalt. Wenn Angie M. ein Jahreseinkommen eines Telekomvorstandsvorsitzenden hätte, was ich für einen Bundeskanzler durchaus als gerechtfertigt ansehen würde, dann würde sie mit rund 2-3 Millionen heimgehen (evtl. mit einer Verdoppelung durch Zielerreichungsprämie im Sinne der Bürger) - entsprechende Altersversorgungseinzahlungen noch dazu.
(kann man im T-Geschäftsbericht nachlesen, dass ein Herr Ober.... mit rund 5 Millionen pro Jahr bedient wurde). Nach unten gestaffelt dann Gehälter für die Minister und die Mandatsträger bis in die unteren Etagen.

Wer Korruption und Seilschaftendenken abschaffen will, der muss die Leute, die er an der Spitze haben will, auch SO bezahlen, dass es für sie wirklich attraktiv ist, für 4-5 Jahre den Job zu machen (und dafür ggfs. auch auf eigene unternehmerische Arbeit zu verzichten). Und damit eine Unabhängigkeit finanzieller Art zu erzeugen, die es den von uns gewählten Menschen auch einfach macht, eine von äußeren Einflüssen möglichst freie und GUTE Entscheidung für die Bürger zu treffen - und nicht nur für die Unternehmen.

Für eine solche Umstrukturierung der Normen und Einkommen für Mandatsträger müsste es natürlich neue Gesetze geben, für die wohl eine 2/3-Mehrheit im Bundestag zusammenkommen müsste. Und weil so viele Mandatsträger der Wirtschaft viel zu nah verbunden sind, wird es dazu wohl nicht kommen, weil der Einfluss der Wirtschaft natürlich oberstes Gebot zu sein scheint.

Andererseits: Wieso machen die Bürger eigentlich keine Revolution über ihre Wahlscheine? Wir SIND NOCH eine Demokratie und könnten den Filz durch eine grandiose Umkehrung des Wahlergebnisses wenigstens zu zerreissen versuchen.
Aber dazu sind einfach zu viele Penner unterwegs, die ihr Wahlrecht nicht gebrauchen. Und weil sie Angst haben, dass sich überhaupt etwas ändert, so nach dem Motto, ist zwar Sch*****, was da läuft, aber man weiss ja, was man hat. Auch wenn man es gar nicht so will.

Der normale Beamte, bekommt seine "Alimentation", damit er dem Staat voll zur Verfügung steht. Die Alimentation soll gewährleisten, dass er einen gewissen Wohlstand hat, der ihm auch eine finanzielle Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen gewährleistet. Eben -weil er nicht jeder "Windhose" hinterher rennen soll, die ihm paar Kröten mehr verspricht, für Geheimnisverrat und ähnliches. Dazu müsste aber auch ein wenigstens genauer Ausgleich der allgemeinen Inflationsrate JÄHRLICH als Gehalts-/Pensionsaufstockung kommen, damit das auch so bleibt. Wer schon mit 40 vor sich sieht, dass seine Pension grad noch für die Altersarmut reichen wird, dem fehlt wohl am Ende auch hin und wieder das Engagement und vielleicht auch die Loyalität zum Dienstherrn.
Was nützt einem die Absenkung der Wochenarbeitszeit, wenn die Kohle am Ende weder für ein Studium der Kinder, für die Haushypothek oder für eine gesicherte Altersphase reicht.

Also: Entweder sie ändern ganz global die Bezahlungsmodi für Mandatsträger oder sie halten sich an die Gehaltssteigerungen, die sie den Bundesbeamten gewähren.
Alles andere ist in meinen Augen unfaire Bereicherung.

Re: 10 % mehr !!!

Verfasst: 5. Mär 2014, 00:39
von Zollkodex-Ritter
Conny hat geschrieben: Ach herrje, jetzt bekomme ich noch ne Belehrung in Beamtenrecht. Ist ja nett. :lol:
Ich hab das gesellschaftspolitisch betrachtet. Als gewähltes Mitglied des höchsten Verfassungsorgans ist man ja schon so etwas wie eine Führungskraft, oder findest Du nicht?
Ich sehe einen MdB nicht als Führungskraft. Diese haben in der Regel als Einzelperson weder eine große Budget- noch Personalverantwortung. Da hat ja jeder Zollamtsvorsteher mit A11 mehr. Sozialprestige, ja, vielleicht.

Der BT als Organ ist wichtig, der einzelne Abgeordnete eben nicht. Führungspersonal? Als Mitglied der Bundesregierung, als Fraktionsvorsitzender, als Mitglied der Partei-Bundesvorstände: Ja. Wieviele MdB sind das? Mehr als 15%? Und genau dieser kleine Kreis bestimmt oftmals die Ausrichtung der Partei und Fraktion.
Aha: Die Schlauen sind demnach in der Wirtschaft und die Doofen im Bundestag. Daher klappt das wohl auch mit der Privatisierung im Öffentlichen Bereich so toll. :D
Das ist ja die Denke von vorgestern. Früher hat man auch gesagt, dass nur die schlechtesten Juristen in den öffentlichen Dienst gehen. Das ist ja längst überholt und widerlegbar.
Der überwiegende Anteil der Abgeordneten sind übrigens Partei-, Gewerkschafts-, Verbandssekretär(e/innen) und -funktionär(e).
Wäre ja auch seltsam, wenn das anders wär. Ich frag mich gerade, wen Du da gerne sitzen hättest. Der mittlere Dienst ist übrigens völlig unterrepräsentiert, wenn ich das richtig sehe - nur 0,2%.
Für die guten Juristen, die zum Staat gehen, muss es gute Gründe geben, dass diese es tun. Ich glaube trotzdem nicht, dass man mit einem Top-Abschluss Vorsteher einer örtlichen Behörde wird, sondern eher die nichtmonetären Vorteile des Beamtenstatus sich sichern will. Gut: Staatsanwälte sind auch beamtet. Obwohl: So viele Alternativen hat man ja als studierter Jurist nicht (vgl. Juristenmonopol). Da mir noch kein Kollege des hD seine Noten vorlegen musste, ist das eh nur Spekulation.

Zurück zu den MdB
Lesetip: Die Deutschlandakte von Hans-Herbert von Arnim. Besorge dir das Buch und widerlege. Das könnten wirklich interessante Diskussionen werden.

Damit man Mandatsträger wird, muss man jahrelang die Ochsentour durch die Partei machen oder man gehört irgend einer Minderheit an, die gefördert werden muss (Im Zeitgeist der Partei). Beruflich flexible Menschen, die ihrem Beruf hinterher ziehen müssen, können das nicht.

Neuerdings scheint es auch schon zu reichen, dass die Eltern oder Lebens- bzw. Ehepartner in entsprechenden Positionen sind oder waren. Erbdemokratie.

Die von dir aufgeführte Gruppe ist zugegebenermaßen mit 108 Abgeordneten recht groß, aber die Gruppe der Beamten ist noch größer. Vergleicht man die Zahlen mit der Berufsverteilung der Bevölkerung im erwerbsfähigem Alter, wird man sehen, wer überrepräsentiert ist: Beruflich "statische" Menschen.

Kennst du den Politbetrieb? Warst du schon mal bei einer Landesdeligiertenkonferenz einer Partei und weisst du, wie die Listen intern gemacht werden?

Übrigens: Das Grundgesetz spricht von einer "angemessenen, Ihre Unabhängigkeit sichernden, Abgeordnetenentschädigung". Eine Entschädigung soll aber nicht besser stellen als vorher, sondern den Schaden beseitigen, den man erlitten hat, sprich: Einkommensverlust kompensieren. Individuell. Jeder, der aus eigenem Antrieb mehr verdienen kann als diese Entschädigung, warum sollte er also Mandatsträger werden? Wieviele Abgeordnete konnten vor Mandatsantritt in dieser Gehaltsregion verdienen?
Zollkodex-Ritter hat geschrieben: z.B. Ich
Da kannst du dich glücklich schätzen. Beim Bund als Beamter darf man schon 41 Stunden Dienst tun und die, die Kinder haben, Schwerbehindert sind, die kommen bei den Dienststellen, die ich kenne, selten auf eine 40-Stunden-Woche. Zugegeben: Letzteres kann selektive Wahrnehmung sein.
Ähm, er hat sie an die Bundesrichter gebunden, die auch nach dem Bundesbesoldungsgesetz besoldet werden.
Deinen Einwand verstehe ich daher nicht wirklich.
In der absoluten Höhe, ich weiss. Aber die Bundesrichter haben eben keine Gehaltsentwicklung von 10%. Es gibt ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Richter vom BT + BR gewählt = politisches Gericht) von 1975. Stellt sich zumindest für mich die Frage, wie unabhängig das Gericht also sein kann.

Wir haben in der BRD ein Pro-Kopf-BIP von nicht mal 2.500 Euro je Einwohner monatlich. Viele Menschen bekommen trotz einem Leben voller Arbeit nicht mal das an Rente, was die Abgeordneten nun als Erhöhungsbeitrag sich selbst geben. 2008 war das dem Wähler nicht vermittelbar. Jetzt aber schon, denn die Eurokrise wurde ja für beendet erklärt?

Ich würde den Job eines MdB nicht mal für 15.000 Euro im Monat machen. Aber: Mehr Geld heisst ja hier eben nicht, dass man besser qualifiziertes Personal bekommt.
Du solltest Dich auf irgendeine Liste eintragen lassen. Ein Kollege von mir ist dadurch von A12 auf B3 aufgestiegen.
Für das Geld im Leben nicht. Weder MdB noch MdL

Bürgermeister hingegen könnte ich mir eher vorstellen.

Aber wie war noch gleich der Spruch: Wer zu klug ist, um in die Politik zu gehen, der muss damit Leben, dass Menschen regieren, die dümmer sind, als er selbst ist.

Re: 10 % mehr !!!

Verfasst: 5. Mär 2014, 11:31
von Conny
Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Lesetip: Die Deutschlandakte von Hans-Herbert von Arnim. Besorge dir das Buch und widerlege. Das könnten wirklich interessante Diskussionen werden.
Dies Buch nicht aber ich hab schon einiges von ihm gelesen und gehört.
Ich finde, dass er schon oft übers Ziel hinausschießt. Aber vielleicht wird man so deutlicher gehört.

Mein Tipp: Andreas Eschbach: Ein König für Deutschland. :wink:

Re: 10 % mehr !!!

Verfasst: 1. Apr 2014, 18:45
von Torquemada
Hier kommen nun die Erhöhungen für das "gemeine Arbeitsvolk".

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 61966.html