Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

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Jonna
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Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Jonna » 17.03.2013 14:30

Hallo zusammen!

Seit Tagen diskutieren mein Mann und ich immer wieder, wer die Verantwortung trägt, wenn -wie bei der Rettung der Frau in Magdeburg, die versucht hat, sich aus dem 6. Stock zu stürzen- etwas schief geht. Ist es der Beamte, der die Frau verfehlt hat oder derjenige, der entschieden hat, wie vorgegangen wird? Oder noch jemand anders?
Kann man dem SEK Beamten einen Vorwurf machen, weil es ihm nicht gelungen ist, die Frau -wie angedacht- auf den Balkon zurückzustoßen? Hätte er überhaupt die Möglichkeit gehabt, den unglücklichen Verlauf zu verhindern? Er kann doch nicht einfach sagen: „Nein, das mach ich nicht.“ oder: „Das wird nicht funktionieren.“ wenn er eine entsprechende Anweisung bekommt, oder?

Hier ein Videobeitrag zum Einsatz:
http://www.youtube.com/watch?v=LdorTnZf4hI

Beste Grüße
Jonna

egyptwoman
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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von egyptwoman » 17.03.2013 19:28

Ich denke das ist eine Frage die man nicht ohne weiteres beantworten kann. Bei aller Planung - und in so einem Fall muss ja auch schnell entschieden werden - kann immer etwas schief gehen und ich denke es trägt keiner die Verantwortung dafür sofern nicht grob fahrlässig Fehler begangen wurden, aber im Falle eines zu verhindernden Selbstmordversuchs wo es schnell gehen muss, kann man Fehler einfach nicht auszuschließen. Es wird im nachhinein eine Untersuchung geben was da schiefgelaufen sein könnte, es wird aber mit Sicherheit keiner rechtlich zur Verantwortung gezogen. Man hat versucht die Frau zu retten und dabei kann immer etwas schief gehen. Das schlimmste ist, das die beteiligten sich hinterher schlecht fühlen und sich selber fragen was sie falsch gemacht haben oder wie man die Frau hätte retten können, dafür gibts aber gsd in jeder Dienststelle nen psychologischen Dienst der sich der Leute dann annimmt.
Also müsst ihr euch keine Gedanken mehr um die Schuldfrage stellen. Es wurde getan was getan werden musste und in manchen Fällen passieren eben Fehler oder man kann die Person nicht mehr retten.

egyptwoman

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Mikesch
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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Mikesch » 18.03.2013 12:06

In Fällen von Notwehr, Nothilfe oder Hilfeleistung gilt grundsätzlich immer die Entscheidung des Einzelnen, irgendwelche Anweisungen sind hier nicht von Belang.

Jeder ist zur Hilfeleistung verpflichtet, aber niemand muss sich dabei selber gefährden oder seine Gesundheit aufs Spiel setzen.
Werden bei der Hilfeleistung Fehler begangen, so sind die nicht dem Hilfeleistenden aufzubürden. Z.B. falsache Beatmung, oder Rippenbrüche bei der HLW...
Wichtig ist alleine, dass man helfen wollte.

Schwieriger wird es bei Polizei, Sanitäter etc.
Hier muss sich der Helfende die Frage gefallen lassen, inwieweit ihm eine Hilfe auf Grund seiner Ausbildung ohne sich zu Gefährden möglich gewesen sein könnte.
Das gilt analog auch für Fehler. Eine falsche HLW dürfte bei einem Polizisten anders zu bewerten sein, als bei einem Sanitäter.
Hierüber streiten sich dann anschließend gerne die Schlauköpfe der Justiz.

Bei allen gleich ist der missglückte Hilfeversuch, wenn es nicht geklappt hat, dann hat das Opfer halt Pech gehabt. Niemanden ist hier ein Vorwurf zu machen, entscheidend ist der Wille zu helfen. Wenn der Helfer z.B. zu schusselig war, weil er eine Hand nicht halten konnte, daneben gegriffen hat, what ever...

Meine Meinung:
In dem beschriebenen Fall trift dem Polizisten und der Einsatzleitung schon mal gar keine Schuld. Hier hat auch niemand eine Verantwortung für irgendwas zu tragen. Er hätte die Aktion noch nicht einmal durchführen müssen, selbst auf Order nicht, da für ihn selber ein erhebliches Verletzungsrisiko bestand. Ja, er hätte sagen können, "mach ich nicht".

IMHO ging das darüber hinaus, was ein Polizist an Risiko bewußt auf sich nehmen muss.

Selbst das ist unerheblich, er wollte retten und es hat einfach nicht geklappt.


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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Jonna » 18.03.2013 12:52

Danke für eure Antworten und die ausführliche, gut verständliche Erläuterung. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Polizist sich einer Order widersetzen oder verweigern darf.

Wir haben uns in diesem Zusammenhang keine Gedanken über eine Schuldfrage gemacht sondern ganz wertfrei über die Verantwortlichkeit. Weil sich daraus ja Konsequenzen dafür ergeben müssten, wie stark man unter einem Misserfolg leidet. Meine Überlegung war, ein Unglück, das man nicht hätte verhindern können (weil man kein Mitspracherecht hat), lässt sich vielleicht besser akzeptieren, als eines, das man hätte abwenden können, wenn man sich nur selbst anders verhalten hätte.

Damit kein anderer Eindruck entsteht: Wir beide finden den Einsatz super engagiert und mutig. Das investierte Herzblut ist nicht zu übersehen. Dass es für so ehrgeizige Retter entsetzlich, erschütternd und sehr schwer verdaulich sein muss, wenn etwas schief geht, ist klar. Hoffentlich kann ein psychologischer Dienst da genug helfen.

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Mikesch
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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Mikesch » 18.03.2013 13:29

Ich denke, dass die Angehörigen einer solchen Einsatztruppe schon im Vorfeld entsprechend geschult und auch ausgesucht werden.
Hier ist es ja zumindest insoweit gut gegangen, dass die Dame überlebt hat. Aber beschissen ist das Gefühl allemal...

Eine Anmerkung hätte ich schon noch zu dem speziellen Fall.
Wenn es eine Anweisung gegeben hat, beim SEK wird von Haus aus ja eine höhere Risikobereitschaft erwartet, könnte ich mir gut vorstellen, dass nachgefragt wird, ob die Aktion überhaupt hätte durchgeführt werden müssen, ob man die Dame nicht vllt. nur durch Zureden hätte retten können. DE ist da ja etwas speziell... ;-)
In diesem Fall müsste wohl der Einsatzleiter den Kopf hin halten.
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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Jonna » 18.03.2013 13:55

Mikesch hat geschrieben: Hier ist es ja zumindest insoweit gut gegangen, dass die Dame überlebt hat. Aber beschissen ist das Gefühl allemal...
Klar, sie hats überlebt, aber eher zufällig. Das macht doch einen großen Unterschied, oder? Glück gehabt zu haben wird beim Retter wohl eher weniger den Eindruck hinterlassen, dass er kompetent und kontrolliert mit seiner Aufgabe klarkommt.
Mikesch hat geschrieben:Eine Anmerkung hätte ich schon noch zu dem speziellen Fall.
Wenn es eine Anweisung gegeben hat, beim SEK wird von Haus aus ja eine höhere Risikobereitschaft erwartet, könnte ich mir gut vorstellen, dass nachgefragt wird, ob die Aktion überhaupt hätte durchgeführt werden müssen, ob man die Dame nicht vllt. nur durch Zureden hätte retten können. DE ist da ja etwas speziell... ;-)
In diesem Fall müsste wohl der Einsatzleiter den Kopf hin halten.
Ok, verstehe.

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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Frauenpower » 19.03.2013 10:50

egyptwoman hat geschrieben:Ich denke das ist eine Frage die man nicht ohne weiteres beantworten kann. Bei aller Planung - und in so einem Fall muss ja auch schnell entschieden werden - kann immer etwas schief gehen und ich denke es trägt keiner die Verantwortung dafür sofern nicht grob fahrlässig Fehler begangen wurden, aber im Falle eines zu verhindernden Selbstmordversuchs wo es schnell gehen muss, kann man Fehler einfach nicht auszuschließen. Es wird im nachhinein eine Untersuchung geben was da schiefgelaufen sein könnte, es wird aber mit Sicherheit keiner rechtlich zur Verantwortung gezogen. Man hat versucht die Frau zu retten und dabei kann immer etwas schief gehen. Das schlimmste ist, das die beteiligten sich hinterher schlecht fühlen und sich selber fragen was sie falsch gemacht haben oder wie man die Frau hätte retten können, dafür gibts aber gsd in jeder Dienststelle nen psychologischen Dienst der sich der Leute dann annimmt.
Also müsst ihr euch keine Gedanken mehr um die Schuldfrage stellen. Es wurde getan was getan werden musste und in manchen Fällen passieren eben Fehler oder man kann die Person nicht mehr retten.

egyptwoman

Sehr sehr schön gesagt.
Bei so einer Situation geht es leider nicht ohne Fehler.

FrauenPower
:)

Frauenpower
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Re: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief geht?

Beitrag von Frauenpower » 14.05.2013 11:54

Also ich denke dass die Frau selber schuld hat. Die Polizei war nur sehr lieb und wollte ihr helfen. Dass es dann schief gegangen ist wollte ja auch keiner.
:)

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