Ein Weg zur Pensionierung

Allgemeine Themen zum Bereich des öffentlichen Dienstes.

Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon Theaterkritiker » 02.12.2011 19:45

Mittels Schreiben vom November 2011 wurde mir nach ca. 2 ½ -jähriger Krankheitsphase und zweier Termine beim amtsärztlichen Gutachter der Zentralen medizinischen Untersuchungsstelle mitgeteilt, dass man mich nach Ablauf eines Monats beabsichtigt, in den Ruhestand wegen festgestellter dauernder Dienstunfähigkeit zu versetzen. Als Anlage war dieses Gutachten welches die dauernde Dienstunfähigkeit feststellt, beigefügt. Eigentlich ist mit 44 Jahren eine Ruhestandsversetzung viel zu früh, aber die Erlebnisse auf der Dienststelle ließen mir keine andere Wahl mehr übrig.

Mein Weg dorthin war – das kann ich heute sagen – mit Dornen gepflastert. Bereits vor dem ersten Tage vor 20 Jahren hatte ich dort mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie mir ein guter Kollege Jahre später berichtete, kam der Chef in die Haushaltsabteilung runter, und sagte zu seinen Mannen und Frauen „nächste Woche fängt hier ein Beamter an, den haben wir nicht gebraucht, macht den Kerl fertig“.

Nach etlichen Jahren der Schikaniererei (u. a. beschwerte man sich von Seiten meiner unmittelbaren Vorgesetzten beim Dienststellenleiter einen Tag vor meiner Lebenszeitverbeamtung über meine Arbeitsleistung) , mittlerweile wurde ich auch in den Personalrat hineingewählt, ging ich allmählich zum Gegenangriff über.

Ich habe meine Chefs mit mehreren anonymisierten Strafanzeigen wegen Betrug und Untreue überzogen. Nach der mir vorliegenden Ermittlungsakte hatte mein unmittelbarer Chef zu einem stattlichen Betrag Kopien und Planplots für das Büro seiner Ehefrau/Lebensgefährtin drucken lassen, die er nicht bezahlt hatte. Am selbigen Tage des Eingangs des Ermittlungsauftrages von der Staatsanwaltschaft zur Kripo wurden ihm die Leistungen von der Dienststelle in Rechnung gestellt und in Folge dessen auch das Strafverfahren gegen ihn eingestellt. Weitere Strafanzeigen wegen möglicher Kontamination des Dienstgebäudes (sehr viele Krebsfälle im Kollegenkreis) folgten. Es wurde erstmals eine qualifizierte Schadstoffuntersuchung durchgeführt. Das Ergebnis der Untersuchung wird unter Verschluß gehalten. Als Folge dessen hat mich mein Dienstvorgesetzter wegen Urkundenfälschung angezeigt, da er der Meinung war, das die anonymisierten Strafanzeigen eben eine solche darstellen würden. Auch dieses Verfahren gegen mich ist mittlerweile eingestellt, da eine anonyme Anzeige keine Urkundenfälschung darstellt. Jedoch sind nach all den Jahren gesundheitliche Beeinträchtigungen zurückgeblieben die wie bereits gesagt, nach 2 ½ Jahren Krankheitsphase, die ich nach Beginn der Ermittlungen eingeleitet habe, zu meiner Frühpensionierung geführt haben.

Als Fazit kann ich heute sagen, wer unter Mobbing leidet, hat in diesem Staat keinerlei Chance dagegen etwas auszurichten. Mobbing ist nicht justiziabel wurde mir immer wieder vom Rechtsanwalt gesagt. Insofern war die Frühpensionierung auch der einzige Ausweg.
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon Eddy_HH » 02.12.2011 20:37

Es tut mir Leid, soetwas zu hören bzw. zu lesen. Dieser Vorfall schildert aber die Entwicklung im öffentlichen Dienst im Allgemeinen. Kritische Bedienstete, die für andere unbequem sein könnten, werden von der Führung wie auch von anderen gemobbt und nieder gemacht. Soziale Rücksichtnahme ist schon lange nicht mehr vorhanden. Fadenscheinige Programme zur Verbesserung der Personalführung werden initialisiert, aber schon im nächsten Schritt ad Absurdum geführt. Sollte jemand versuchen, Rechtsverfahren gegen den Dienstherrn anzustrengen, wird er noch mehr erniedrigt, so dass er davon abgebracht wird, für sein Recht zu kämpfen. Dieses führt sogar soweit, dass er im Privaten von anderen isoliert wird. Eine Unterstützung durch die Personalvertretung ist ebenfalls nicht zu erwarten, diese hat im öffentlichen Dienst nur eine Alibifunktion und stellt einen Papiertiger dar. Gefördert wird nur das Gutherrentum der Leitungen, ohne Rücksicht auf die Bediensteten. Die Umgangsformen werden durch die obersten Dienstherren vorgegeben, die dadurch wachsende Demotivation wird mindestens billigend in Kauf genommen.
Ich wünsche Dir, dass Du vernünftig mit der Sache abschließen und Dein weiteres Leben erfolgreich gestalten kannst.
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon Bundesfreiwild » 07.12.2011 15:23

Was mich immer beschäftigt ist, dass die "liiiieeben" Kollegen dann auch so handeln, wie der Chef das will (Macht ihn fertig!).

Tja... beweist mir immer wieder, dass viele Menschen sofort bereit sind, körperliche und/oder auch seelische Gewalt gegen Mitmenschen auszuüben, sofern sie nur von oben genügend Deckung bekommen.

Da ekelt es mich wirklich zunehmend vor der "Krone der Schöpfung"!
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon Tesla » 07.12.2011 18:48

Hallo Theaterkritiker,

traurig, dass solche "Chefs" offensichtlich auch noch von der Führung gedeckt werden.

Wie aber werden bei so einer frühen Pensionierung ( 44 JAHRE ) die Chancen auf eine Reaktivierung sein? Die erneute Prüfung der DU könnte ja zur Rückführung in den aktiven Dienst führen. Welche Erfahrungen gibt es bei deinem DH dazu? An alle: Wie sind die Erfahrungen zu diesem Punkt allgemein? Nutzen die DH diese Möglichkeit? Wie sieht es bei den Ländern aus?

MfG Tesla
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon schäferhund » 08.12.2011 08:50

Was man da von "Theaterkritiker" lesen muss ist wahrlich nur "schwer verdaulich" und es ist einfach erschreckend, zu was Menschen fähig sind. Wie "Eddy_HH" völlig zutreffend geschrieben hat, ist dies tatsächlich die gegenwärtige Entwicklung im öffentlichen Dienst. Mobbing und Psychoterror werden hier immer häufiger gerne als wirksames Werkzeug zum Arbeitsplatzabbau verwendet. Ich kenne aus meinem Kollegen- u. Bekanntenkreis ca. vier Fälle, die dem hier genannten auffallend ähnlich sind.

@Tesla: Mir ist bislang kein einziger Fall bekannt geworden, in dem eine Reaktivierung erfolgreich durchgeführt wurde. Von Ausnahmen vielleicht abgesehen, sind die Dienstherren in der Regel doch meist froh, ihre "lästigen" Beamten endlich losgebracht zu haben.

@ Theaterkritiker: Dir die besten Wünsche für Deine weitere Zukunft.


Gruß
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon Eddy_HH » 08.12.2011 12:38

@ Tesla: Die sogenannten "Chefs" werden von der Führung nicht gedeckt...sie sehen nur ihr eigenes Fortkommen und "gehen dabei über Leichen". Der Traum von FührungsPERSÖNLICHKEITEN, die sich für Ihre Leute einsetzten, ist schon lange ausgeträumt. Heisst es heute, "ich stehe hinter Ihnen", sollte man sich vergewissern, ob derjenige nicht einen Dolch in der Hand hält. Meine Erfahrungen sind so, dass ich hinter mir niemanden mehr wissen möchte. Und da die Kollegenschaft auch nur noch aus Duckmäusern und Intriganten besteht, die darauf gedrillt werden, zu gehorchen oder anzuschwärzen, da sie sonst kein berufliches Fortkommen erleben werden, ist man eh auf sich allein gestellt.
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon Tesla » 08.12.2011 23:40

Eddy_HH hat geschrieben:@ Tesla: Die sogenannten "Chefs" werden von der Führung nicht gedeckt...sie sehen nur ihr eigenes Fortkommen und "gehen dabei über Leichen". Der Traum von FührungsPERSÖNLICHKEITEN, die sich für Ihre Leute einsetzten, ist schon lange ausgeträumt. Heisst es heute, "ich stehe hinter Ihnen", sollte man sich vergewissern, ob derjenige nicht einen Dolch in der Hand hält. Meine Erfahrungen sind so, dass ich hinter mir niemanden mehr wissen möchte. Und da die Kollegenschaft auch nur noch aus Duckmäusern und Intriganten besteht, die darauf gedrillt werden, zu gehorchen oder anzuschwärzen, da sie sonst kein berufliches Fortkommen erleben werden, ist man eh auf sich allein gestellt.


Bittere aber wahre Worte. Genauso habe ich es auch schon erlebt. Fragt sich nur, wie man persönlich diesen Knoten lösen kann. :?
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Re: Ein Weg zur Pensionierung

Beitragvon TriMax » 24.12.2011 15:41

Hallo,

was Mobbing/Bossing anbelangt kann ich das nur bestätigen. Nur als A...kriecher hast Du deine Ruhe. Kritische Geister werden systhematisch fertig gemacht. Ich habe 50 GdB, trotzdem werde ich von oben schikaniert, gebosst, usw. Inzwischen auch zum Amtsarzt zitiert. Pech für den DH, leider nicht DU. So schnellgebe ich nicht klein bei. Total traurig ist, dass die Kollegen kräftig mitmischen um nicht selber in die Mühle zu geraten.

Was im öD mittlerweile abgeht, kannst Du keinem erzählen. Schlimmer als bei jeder kleinen Klitsche in der Privatwirtschaft.

Nur leider kann ich es absehen trotzdem aufzustecken und DDU zu beantragen. :(
TriMax
 
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